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Modellbahn: Veranstaltungen

„Tag des offenen Denkmals” in Dischingen
(Härtsfeld–Museumsbahn)

Am zweiten Sonntag im September findet traditionell der Fremde Seite Tag des offenen Denkmals statt. Das Thema für den Termin am 12. September 2010 hieß „Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr”.

Für die rührige Fremde Seite Härtsfeld–Museumsbahn (HMB) gilt dieses Motto schon seit Jahren. Der eingetragene Verein betreibt eine Schmalspurbahn, die derzeit von Neresheim (noch) nach dem Haltepunkt Sägmühle führt. Der Ausbau bis zur geplanten Endstation Dischingen ist in Arbeit. Damit wird ein wichtiges Kulturerbe aus Württemberg erhalten.

Seit 2006 nehmen Mitglieder des Buntbahn–Forums und der IG Spur II an der Veranstaltung teil. Auf dem Güterboden und der Laderampe des Denkmal–geschützten Bahnhofs–Gebäudes wurde auf Biertischen eine große Modellbahnanlage im Maßstab 1:22,5 aufgebaut und betrieben. Dabei gab es großartige Kleinserien– und Handarbeitsmodelle zu sehen.

Hier folgen einige Eindrücke der Veranstaltungen bis 2009.

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Vorbereitungen und Aufbau

Wer meint, dass Modelleisenbahner verschrobene und sozial gestörte Gestalten sind, die sich abends und an Wochenende in ihren Hobbyraum verkriechen, Licht– und Kontakt–scheu sind, kann hier eines Besseren belehrt werden. Erstens ist es gar nicht so einfach, zwischen Freitag Mittag und Sonntag früh eine Schauanlage in respektabler Größe auf die Beine der Biertische zu stellen.

Zweitens findet diese Arbeit durchgehend an der frischen Luft statt (2008 beispielweise teils bei Frost–Temperaturen, 2009 hingegen bei erheblicher Wärme und Sonnenschein). Und zum dritten ist die Aufgabe nur im Team zu bewältigen.

Die Arbeit beginnt schon mit der Planung und Organisation. Wer nimmt teil, wer hilft, wie soll der Gleisplan aussehen, wie viele Biertische werden benötigt? Wer macht was und wer bringt was mit?

Bei sich wiederholenden Veranstaltungen wie dieser bildet sich nach und nach eine gewisse Gelassenheit und Routine heraus. So war es im ersten Jahr noch ein größeres Abenteuer, die klemmenden Schiebetüren zum Güterschuppen aufzubrechen. Heutzutage erledigen das zwei Mann nebenbei in einer Minute. Während der Bau der ersten Podeste für das Viadukt–Modell im ersten Jahr noch Stunden verschlang, schafften das der Verfasser und seine Tochter 2008 dank der noch vorhandenen und nummerierten Bauteile fast im Handumdrehen.

Dem entsprechend konnte sich die Crew von Jahr zu Jahr früher unter die Dusche und anschließend zum Abendessen trollen. Die Angebote dafür sind auf dem Härtsfeld zwar dünn gesät, aber wahre Tüftler finden auch da die Perlen. Besondere Heiterkeit löste 2009 das herzhafte Geplänkel zwischen der Wirtin der Gaststätte im Bahnhof Neresheim und der Mannschaft aus. Der fast liebevolle Zank wurde jedoch von der sehr guten Gastlichkeit klar übertroffen, sodass alle für die „Strapazen” des kommenden Tags gestärkt, gut gelaunt und todmüde in die Betten fielen.

Sehr empfehlenswert ist die Unterkunft in der Steinmühle zwischen Neresheim und Dischingen - die sogar einen Haltepunkt der HMB hat ( zwinker ).

 

Aufbau, zweiter Teil, und Betrieb

Nochmal „Aufbau”? Klar - da gibt es noch einiges zu erzählen.

  • Sobald die Biertische per LKW angeliefert und ausgeladen wurden, müssen sie entsprechend dem Aufbauplan auf den Laderampen (Gleis– und Straßenseite) aufgestellt werden. Parallel dazu baut ein zweites Team die nötigen Podeste auf.
  • Anschließend werden die Tische mit Kunstrasen–Matten ausgelegt. Diese haben zwar ein giftiges Grün, jedoch den Vorteil, dass sie dem Echtsteinschotter aus dem nahe gelegenen Schotterwerk sehr guten Halt bieten - und damit auch den Gleisen.
  • Danach gilt es die Gleise auszulegen - natürlich wieder genau nach Plan. 2009 waren das zum ersten Mal nur Gleise mit Code 250 (also einem Viertelzoll beziehungsweise 6,35 mm Schienenhöhe) von „Llagas Creek”. Das dauert durchaus einige Zeit, weil es oft noch Anpassungen mit Säge, Feile, Hammer, Zange und Schraubendreher braucht. Auch das ist ein Fall für Teamwork.
  • Dann will bis zu knapp eine halbe Tonne Echtsteinschotter verteilt werden, um damit ein gutes und stabiles Schotterbett zu bilden. Achim Weisbach von der HMB ist der unübertroffene Meister in dieser Disziplin, dicht gefolgt von Dieter Schiede, der auch ein glückliches Händchen hat - wie bei seinen hervorragenden Modellen.
  • Dann folgen die erste Reinigung, der Anschluss der Digital–Anlage und die obligatorischen Probefahrten samt den nötigen Nacharbeiten.
  • Den Rest bildet dann die Ausschmückung und Detaillierung, meist ein Fall für Samstag Nachmittag und Sonntag früh vor dem Besuch des Publikums (wo natürlich auch noch einmal die Gleise geputzt werden).

Und Betrieb? Diese anstrengenden Arbeiten sollen ja auch Spaß machen. So hat es sich inzwischen eingebürgert, den Schotter auf der Anlage mit zusammen gebauten Gleisen mit Echtdampf–Loks und aufgebockten Regelspurwagen von Magnus zu verteilen. Dass die Entladung des Schotters vorwiegend mit maßstäblichen Schäufelchen in 1:22,5 statt findet, ist eher ein Gerücht.

Meist bleibt jedoch am Samstag Nachmittag genug Zeit, um ein wenig zu spielen. Und davon bekommen die Initiatoren nie genug, sodass auch knurrende Mägen und schwindendes Tageslicht sie kaum von der neu geschaffenen Anlage weg locken können.

 

Der Sonntag - nun wird es offiziell

Blick auf das Viadukt–Modell, hinter einem Bogen der Panoramabus „Sonja”.
[ ± ] . Viadukt und Bus.

Am frühen Morgen treffen sich allerlei mehr oder minder ausgeschlafene Gestalten am Bahnhof, um letzte Hand an die Aufbauten zu legen. Die Zeit drängt: Erfahrungsgemäß steht gegen 11:00 Uhr der erste liebevoll restaurierte Oldtimer–Bus vor dem Bahnhof und bringt neugierige Besucher. Die wollen gut unterhalten sein. Beachten Sie auf dem ersten Foto des Abschnitts die Wettertafel an der Echtdampf–WN1 - mit solchen an an den Loks angebrachten Tafeln verbreitete einst der Pfarrer Schips, ein Hobby–Meteorologe, seine Wettervorsagen auf dem Härtsfeld.

Bundesweit ist die Veranstaltung in Dischingen natürlich nur ein Klecks auf der Karte. Regional ist sie jedoch wichtig, um bei den Anwohnern und Politikern die Bedeutung der ehemaligen Härtsfeldbahn und jetzigen Museumsbahn zu unterstreichen. Das spielt schon deswegen eine wichtige Rolle, weil es für den Betrieb und Ausbau der Bahn erhebliche Geldmittel braucht. Werner Kuhn, der Vorsitzende des Vereins, weiß davon manches Lied zu singen. Der Laie staunt bei seinen Berichten über die enormen Summen und Bedingungen, die für einen Erfolg nötig sind. Immerhin unterliegt die HMB allen Bedingungen des öffentlichen Transportwesens - ohne irgendeine Einschränkung.

Die Modellbahner konzentrieren sich inzwischen auf die Schau. Das Publikum will Unterhaltung? Die soll es bekommen. Laut dröhnt der Sound einer V 29 durch das Tal, mit Echtdampf oder elektrisch betriebene Loks vor ihren Zügen warten auf freie Ausweichgleise im Hauptbahnhof, auf der Rollbockgrube findet mit der V 36 oder einer GtL 4/4 von Wende stets reger Betrieb statt.

Wer nicht mit Dampf, sondern DCC fährt, benutzt dabei Funk–Handregler von Zimo. Dem Verfasser sind diese zu kompliziert. Die noch kleine Tochter kam jedoch sofort damit klar und steuerte voll Begeisterung den geliebten Triebwagen T33 über die doch ausgedehnte Strecke.

Dazu kommen meist hochklassige Exponate der Gastbesucher. Es ist erstaunlich, wie viel vom Publikum kaum erkanntes Modellbau–Potenzial da zusammen kommt.

 

Galerie - Bilder der Veranstaltungen

Tenderlok 98 813 (ex bayerische GtL 4/4), Lokführerseite, Modell von Wende.
[ ± ] . GtL 4/4 als 98 813 der DB.

Personenwagen WN2 von Dieter Schiede, fotografiert 2009.
[ ± ] . Wagen WN2 (Schiede).

In Dischingen gibt es zwar ein buntes Sammelsurium verschiedener Epochen zu sehen. Andererseits sind die Modelle der Lokomotiven und Wagen meist wahre Schmuckstücke. Wenn Ihnen die Bilder dieser Seite gefallen, sollten Sie sich den zweiten Sonntag im September vormerken.

Ein ferngesteuerter Radlader (1:24) belädt Hochbordwagen.
[ ± ] . Ferngesteuerter Radlader.

Dingler–Modell der 99193 (württembergische Ts5, Maßstab 1:22,5).
[ ± ] . 99 193 (einst Ts5).

Schmalspur– und Regelspur–Fahrzeuge halten sich in etwa die Waage.

Nach und nach werden sicher noch mehr Bilder folgen. Für den Augenblick mögen diese als „Appetithäppchen” genügen.

 

Die Tage des Chronisten

W. Kuhn schaut H. Hofbauer zu, der mit dem ferngesteuerten Radlader spielt.
[ ± ] . Die Crew der HMB spielt

Während der Vorsitzende der HMB am Sonntag wohlwollend die ersten Gehversuche von Harald Hofbauer mit dem Radlader beobachtet, nimmt der Verfasser als designierter Chronist nicht am Fahrbetrieb teil. Die Pflichten (bei Aufbau und Berichterstattung) und ruhige Augenblicke im Bahnhof Neresheim gehen vor, ebenso die Fahrten im Oldtimer–Bus und mit der Meterspur–Bahn.

Blick auf Bahnhofsgleise, Triebwagen, Reisezugwagen, auf dem Hügel eine Abtei.
[ ± ] . T33 und Abtei Neresheim.

Mit etwas Glück findet sich dort in der Bahnhofsschenke allerlei „Härtsfeld–Prominenz”. So begleitete uns 2009 der Archivar, Jürgen Ranger, zum fast fertig aufbereiteten „Jumbo”, einer mächtig großen Diesellok mit zwei Schiffsdieseln als Antrieb. So „modern” das sein mag - beeindruckend ist ein Blick auf die großen Motore doch.

Die Fahrt mit Bus und Schmalspurbahn (bevorzugt mit Echtdampf–Traktion) über das Geschichts–trächtige Härtsfeld ist ein ganz besonderes Erlebnis. In den historischen und liebevoll aufbereiteten Fahrzeugen gehört nicht viel Fantasie dazu, sich frühere Zeiten lebhaft vorzustellen. Dazu tragen auch manche selbst gemachte Funde im Bahnhof Dischingen bei, beispielsweise Aufkleber von 1952 auf einer zerlegten Kiste für den Versand von Käse, originale Schwellen und Schienenprofile der alten Härtsfeldbahn oder ebenso originale Schienennägel im Keller.

Ein bisschen Organisation fällt auch am Sonntag an - vor allem die zartfühlende Mahnung an die großen und kleinen „Spielkinder”, den Abbau nicht zu spät beginnen zu lassen. Der muss am Sonntag Abend rechtzeitig beendet sein, damit das Team noch etwas zu essen bekommt.

Die Veranstaltung endet meist mit einem gemeinsamen Abendessen, bei dem noch allerlei lustige Geschichten zum besten gegeben werden. „Bis zum nächsten Jahr!”, heisst es dann - und wieder ein Jahr warten .

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