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Modell–Figuren

Der Rohbau

Besonders bei einem größeren Maßstab wie 1:22,5 sollten Sie auch fertig gekaufte Figuren überarbeiten. Die unvermeidlichen Gussnähte müssen entfernt und Auswerferspuren beseitigt werden. Änderungen der Körperlänge, der Proportionen oder der Haltung sowie der Tausch einzelner Teile führen zur guten und individuellen Modellfigur.

Diese Aufgaben sind das Thema dieser Seite. Es lässt sich nicht ganz vom Thema „Kleidung” trennen. Darum wird hier teilweise auch schon darauf eingegangen.

Die anstehenden Aufgaben sind nicht so schwierig, wie sie zunächst erscheinen mögen. Aber auch hier gilt: „Übung macht den Meister” - und von denen ist bekanntlich auch noch keiner vom Himmel gefallen. Seien Sie also geduldig und werfen Sie nicht gleich beim ersten Misserfolg die Figur, ähem, Flinte ins Korn ( zwinker ).

Abschnitte dieser Seite:

 

Vorbereitende Maßnahmen

Zunächst einmal: Zögern Sie nicht, bei schon lackierten Figuren die Farbe zu opfern. Fertigungs–bedingt haben Kunststoff–Spritzgussteile leichte Nähte an den Formtrennkanten und meist auch sichtbare Spuren der Auswerferstempel, mit denen der erkaltete Guss aus der Form gedrückt wird. Die Nähte können mit einem Dreikantschaber oder einer scharfen Messerklinge abgezogen werden. Prüfen Sie die Wirkung im Streiflicht, besonders bei unlackierten Figuren. Deren weißes Polystyrol reflektiert das Licht sonst so stark, dass nichts zu sehen ist.

Die Auswerferspuren sind meist kreisrund und gegenüber der Umgebung leicht vertieft. Da hilft wahlweise schleifen (Korund–Schleifpapier, nicht zu grob) oder spachteln.

Das erste Bild dieses Abschnitts zeigt einen Figuren–Bausatz von Fremde Seite Preiser, wie er aus der Schachtel kommt. In der Großbildansicht sind die Gussnähte gut zu erkennen.

Wenn Sie sich bei der Verfeinerung schon bemalter Figuren noch nicht zutrauen, die Details des Gesichts später zu lackieren, lassen Sie diesen Teil unverändert. Um die nicht immer glücklich gewählten Farben der Kleidung ist es jedoch nicht schade.

Widmen Sie sich im nächsten Schritt der Verbesserung der Kanten und Vertiefungen. Als Beispiel mag der „Giftzwerg” aus der Ladearbeiter–Kollektion dienen, der auf dem zweiten Bild zu sehen ist. Die Arbeiten an den Jackenaufschlägen sind schon recht weit gediehen, das Hemd ist an der Knopfleiste scharfkantiger. Die Nickelbrille ist aus Neusilber geätzt. Der linke Ärmel der Jacke wurde tief ausgefräst.

Solche Vertiefungen bilden im Guss so genannte „Hinterschneidungen” und sind schwierig auszuformen. Daher ist es verständlich, dass beispielsweise die Röcke der Frauen nicht hohl sind. Mit passenden Fräsern und der Kleinbohrmaschine kann leicht Abhilfe geschaffen werden.

Schleifen Sie alle Oberflächen, so gut es eben geht, mit sehr feinem Schleifpapier an. Der Lack wird später besser haften und die Gefahr zu glänzender Oberflächen verringert.

 

Änderungen der Körperhaltung

Kommen wir mit einem der Frühwerke des Verfassers gleich zu einer ganz „harten” Aufgabe. Im Set „Hochzeitsgäste” von Preiser (Nummer 45043) gibt es die Figur einer jungen Frau, die fotografiert und eher die Andeutung eines Röckchens als ein echtes Kleidungsstück trägt .

Das war insofern eine gute Übung, als die Verwandlung in eine verwertbare Figur mit einigem Aufwand verbunden war. Die Arme wurden am Schultergelenk senkrecht abgetrennt und die Beine direkt am Rockende. Letztere erhielten dann Füllstücke aus Polystyrol, um sie gerade zu richten. Das ist auf dem ersten Bild des Abschnitts gut zu sehen. Dort ist der linke Arm in einer glücklicheren Haltung wieder angeklebt, dessen Hand liegt an der Hüfte vorne auf.

Die wallenden Rüschchen des Rocks fielen der Säge zum Opfer. Der untere Teil um die Hüften herum erhielt zwei kräftige Scheiben Kunststoff als Füllstück. Darunter wurden die Beine dann in so einem Winkel angeklebt, dass die Figur wieder standfest war.

An der Kopfhaltung ließ sich bei diesem Ausgangsmodell wegen der wallenden Haarpracht nichts ändern, jedenfalls nicht ohne weiteres. Wenn der nach oben geneigte Kopf jedoch zur gedachten Szene passt, schadet das nichts.

Das zweite Foto des Abschnitts zeigt den nahezu fertigen Rohbau. Der Ausschnitt wurde ein wenig dezenter gestaltet und das nunmehr Kleid bis zu den Knieen verlängert. Wie das mit Hilfe von Papiertaschentüchern geht, wird auf der Seite zum Thema Kleidung beschrieben.

Im folgenden werden noch einige solche Umbauten zu sehen sein. Vergleichen Sie beispielsweise auch die junge Frau auf dem ersten Bild dieser Seite mit den übereinander geschlagenen Beinen. Der Rohbau war auch nicht „ohne”, bis die Beine die richtige Lage hatten. Bedenken Sie dazu, dass der obere Oberschenkel sich bei einer solchen Haltung auf dem unteren abstützt. An beiden muss also nachgefeilt werden, bis sie gut aneinander liegen. Da war es dann fast schon einfach, den linken Arm so zu formen, dass die Hand entspannt auf dem Knie aufliegt.

 

Änderungen der Körperlänge

Diese Figur soll gekürzt und umgebaut werden.
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Wer seine Modelleisenbahn beispielsweise vor dem Krieg ansiedelt, wird Bedarf an kürzeren Figuren haben. Die Auswahl an 1:24–Figuren von Preiser ist jedoch leider recht klein. Immerhin gibt es auch die „Adam”– und „Eva”–Bausätze. Daher oder dennoch wird an einer Operation oft kein Weg vorbei führen. Die will jedoch mit Bedacht ausgeführt sein, damit die Proportionen weiterhin stimmen.

Beachten Sie bitte, dass Figuren mit großen Köpfen hierfür nicht in Frage kommen - das fällt später leider unangenehm auf. Das erste Bild des Abschnitts zeigt einen geeigneten Kandidaten aus dem Preiser–Set 45177.

Nehmen wir eine männliche Figur nach aktuellem Vorbild von etwa 1,81 m Länge an wie bei der gezeigten Rohfigur. Sie könnte um 1932 etwa 1,69 m groß gewesen sein. Der Unterschied von 12 cm beträgt im Maßstab 1:22,5 immerhin gut 5 mm.

Diesen Unterschied müssen Sie gleichmäßig verteilen, sonst passen Beine, Oberkörper und Arme nicht mehr zusammen. Das gilt natürlich auch für die (eher seltenen), nötigen Verlängerungen.

Wer ganz genau arbeiten möchte, benötigt bis zu 18 Sägeschnitte = neun Trennstellen, und zwar am Oberkörper, den Ober– und Unterarmen, den Ober– und Unterschenkeln. In manchen Fällen können 2 × 2 Schnitte an den unteren Gliedmaßen entfallen.

Das zweite Bild des Abschnitts zeigt die Figur beim Rohbau. Eine etwa 3 mm dicke Scheibe wurde am Oberkörper schon heraus gesägt - ein hübsches Stück Arbeit! Sägen Sie mit einem recht groben Blatt in wechselnden Winkeln rundherum, dann werden die Schnitte halbwegs gerade. Das Foto zeigt, wie die großen Flächen auf Korundschleifpapier abgezogen werden können.

Das Polystyrol lässt sich hervorragend mit handelsüblichen Klebstoffen verschweißen. Hier wurde wie meist UHU® plast spezial verwendet.

Es erfordert ein wenig Übung, die Übergänge an den Kürzungsstellen später zu glätten. Lassen Sie dem Klebstoff und Kunststoff genug Zeit, um auszuhärten. Etwa 24 Stunden sollten es schon sein.

Das dritte Bild zeigt aus zwei Perspektiven die fertige Figur. Der Offizier hat im ersten Weltkrieg den rechten Arm verloren - das passt angesichts seines Alters etwa 1932 ganz gut. Er ist tadellos gekleidet und grüßt höflich mit dem Hut in der linken Hand. Der rechte Ärmel seines Jacketts ist - typisch - mit einer Sicherheitsnadel angeheftet. Das ist auf dem vierten Bild besser zu sehen.

Gut zu sehen ist jedoch, dass die Übergänge an den entfernten Teilen eben nicht mehr zu erkennen sind.

 

Ändern der Proportionen

Zuweilen ist es nötig, bei einer Figur die Körperproportionen zu ändern. Bei der im ersten Bild des Abschnitts gezeigten Dame ist das vergebliche Liebesmüh' - sie ist wohl eher als Karikatur anzusehen, während die Kinder - von Farbfragen abgesehen - realistisch sind.

Anders herum „leiden” einige der Preiser–Figuren unter einer allzu idealen Figur, die sich so manche in Wirklichkeit wünschen würden. Dezente Fettpölsterchen oder eine maßvolle Üppigkeit in den Hüften sind nur zuweilen anzutreffen, vor allem bei Modellen nach älteren Vorbildern.

Da hilft nur eines: Sorgen Sie mit einer geeigneten Spachtelmasse für etwas mehr Pfunde. Sehr beliebt ist für diese Aufgabe die Knet– und Spachtelmasse „Milliput” (zwei Komponenten, Epoxyd). Die Information hierzu auf der Fremde Seite Milliput–Website (englisch) sind eher spärlich. Zwei gleich große Stücke von zwei Strängen der Komponenten werden mindestens fünf Minuten miteinander verknetet und lassen sich dann auf aufgeraute und fettfreie Oberflächen auftragen. Sie können leicht mit ein wenig Feuchtigkeit (Wasser) geglättet werden. Sie erhalten die beliebte Fremde Seite Modelliermasse bei Amazon.

Nicht nur bei der im zweiten Bild gezeigten Frau wurde auf ein anderes Mittel zurück gegriffen. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus Clou®–Schnellschleifgrund und - Mehl! Sie kann zwar nur in dünnen Schichten aufgetragen werden, dafür aber mit dem Pinsel, was eine feinfühlige Dosierung ermöglicht und einen natürlichen Verlauf der Oberfläche, da die Masse träge verfließt.

Besonders im dritten Stadium der Figur ist die unterdes Rubens'sche Figur gut zu erkennen. So sah das nach dem dritten Auftrag aus. Nach ein bis zwei Stunden ist die Masse ausgehärtet und kann dann gut gefeilt und geschliffen werden. Auf die Vergrößerung der Oberweite gehen wir aus Jugendschutz–Gründen nicht näher ein ( zwinker ).

 

Beachten Sie die Reihenfolge beim Bau

Wie das letzte Foto des letzten Abschnitts schon zeigt, wird es zuweilen nötig sein, die Figurinen in einem mehrstufigen Prozess fertig zu stellen.

So kann es beispielsweise nötig werden, Teile der Kleidung (siehe nächste Seite) schon anzubringen, bevor die Arme angebracht werden. Das wiederum bedingt, dass die Hautfarbe an den Rändern der Bekleidung schon aufgetragen ist, sofern diese plastisch und nicht nur aufgemalt sein soll.

Das Foto dieses Abschnitts ist auch ein gutes Beispiel für so einen Fall. Die Frau vor dem Vorbild des Opel „Laubfrosch”, einem Citroën HP 5 Trèfle, stützt die rechte Hand in der Taille auf. Da das Kleid darunter liegt, muss es vor der Anbringung des Arms mit der Hand „sitzen”.

Wer das Bild betrachtet, fühlt sich unwillkürlich an die „roaring twenties” erinnert, die zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die Verbreitung des Automobils, der Charleston, Jazz–Musik  Das liegt an dem Hut und Kleid der Figur, die einem Vorbildfoto nachempfunden wurde, und natürlich am passenden Auto. Leider konnten wir den Urheber des Vorbildfotos der „Sonja” nicht ausfindig machen. Sie finden es beim Fremde Seite 20-2-40 Style Syndicate auf der vierten Seite des Gäste–Albums.

Ebenso schade ist, dass der Kopf der im Modell sehr kleinen Frau nun eben ein bisschen zu groß ist. Bei näherer Betrachtung fällt das unangenehm auf.

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