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Wagen: Eigenbauten

Hochbordwagen OwL nach Blatt 662

Hier wird ein selbst gebauter, offener Güterwagen mit abklappbaren Seitenwänden im Maßstab 1:22,5 vorgestellt (Nenngröße IIm). Der Güterwagen entstand nach einem bayerischen Vorbild (Blatt 662 des Wagenstandsverzeichnis' von 1913). Es war der erste Eigenbau des Verfassers in diesem Maßstab und ist daher noch nicht ganz ausgereift. Das zeigt sich zum Beispiel an der Verwendung der Achslager–Attrappen von Link zum Glossar LGB®.

Bei der folgenden Baubeschreibung gehen wir nicht ausführlich auf einzelne Techniken ein. Solche Hinweise finden Sie beispielsweise beim Niederbord–Arbeitswagen Xw und auf anderen Seiten dieses Bereichs.

Das Kürzel OwL bezeichnet einen offenen Güterwagen mit gegenüber der Regel verringertem Ladegewicht (hier: 4.800 beziehungsweise 5.000 kg), der für eine bayerische Lokalbahn gebaut wurde.

Hinweis: Die gezeigten Waggonmodelle wurden teilweise falsch beschriftet. Bei Schmalspur–Güterwagen der Deutschen Reichsbahn–Gesellschaft wurde nicht - wie bei Regelspur–Fahrzeugen - der Gattungsbezirk des Wagentyps angeschrieben, sondern die Reichsbahn–Direktion, der der Wagen angehörte. Das Gattungszeichen entfiel.

Abschnitte dieser Seite:

 

Zeichnung

Zeichnung: Hochbordwagen mit klappbaren Seitenwänden, drei Ansichten.
[ ± ].

Diese Zeichnungen vermitteln einen Eindruck vom Aussehen des offenen Waggons mit dem hoch gelegten Bremsersitz. Der Güterwagen wurde nur vier Mal gebaut (je zwei Stück 1885 und 1898). Die Wagen hatten schon ab Werk eine Westinghouse–Druckluftbremse.

Eine für den Nachbau geeignete Zeichnung finden Sie bei den Downloads (Registrierung erforderlich). Der Maßstab der dort angebotenen Rastergrafik ist wie folgt: Vier Bildpunkte (Pixel) entsprechen einem Millimeter im Modell, ein Pixel daher 9 mm beim Vorbild.

Die Tabelle zeigt die Vorbild–Daten des Modells.

 

Fahrwerk: Grundaufbau und Bremsanlage

Grundsätzliche Hinweise zum Aufbau von Fahrwerken gibt es es beim Thema Fahrwerks–Grundlagen.

Das Fahrwerk entstand aus einer Polystyrolplatte, in die an der Oberseite gleich die Fugen der Bodenbretter graviert wurden. Zwischen den Rahmenlängsträgern aus Kunststoff wurde eine Messing–Grundplatte eingeklebt, die die Einachsdrehgestelle und die Teile der Druckluft–Bremsanlage trägt. Das erste Foto dieses Abschnitts ist leider nicht besser erhalten.

Auch außerhalb der Längsträger liegen Messingblech–Streifen, damit die Wagenkastentützen und die Lageraugen der Scharniere für die Seitenwände einen stabilen Halt finden.

Aus heutiger Sicht leider wurden an den Rahmenlängsträgern nur etwas verfeinerte Achslagerteile von LGB® angebracht.

Wie bei den anderen Wagen werden die Pufferteller über einen hinter der Pufferbohle quer liegenden Draht abgefedert. Das ist in der Großbildansicht gut zu erkennen.

Beachten Sie auch, dass die Deichseln für die LGB®–Bügelkupplungen bei diesem Wagen abschraubbar befestigt werden. Das Foto zeigt die Metallaufnahmen dafür an den „Drehgestellen”.

Das zweite Bild zeigt das Fahrwerk und die komplettierte Bremsanlage im lackierten Zustand. Es ist wegen des Baujahrs und des kurzen Achsstands sehr wahrscheinlich, dass eine Anlage mit vom Zylinder getrennten Hilfsluftbehälter verbaut wurde.

 

Der Aufbau

Offener Güterwagen mit oben ausgerundeten Stirnwänden und Bremsersitz.
[ ± ]. Bremsersitz und Aufstieg.

Der Aufbau des Wagen entstand aus gravierten Polystyrol–Platten mit Beschlagteilen aus Messing. Auf dem ersten Bild dieses Abschnitts ist die Anordnung von Trittstufen, Bremsersitz und Fußbrett gut zu erkennen, die aus der Zeichnung nicht so leicht hervor geht.

Die zunächst aufgeklebten Scharnierbänder der Seitenwände erhielten Schraubenimitationen. Auf der Typenskizze im Wagenstands–Verzeichnis ist zu sehen, dass dies im Original Hammerkopfschrauben gewesen sein müssen. Das wurde leider nicht richtig nachgebildet. Dafür stimmt der Schutzwinkel am oberen Ende jeder Seitenwand.

Modellfoto: offener Güterwagen mit senkrecht abgeklappten Seitenwänden.
[ ± ]. Große Klappe!

Der Winkel ist auf dem zweiten Foto mit offener Tür gut zu erkennen. Die Wand hätte besser aus Metall gebaut werden sollen. Das Kunststoffteil ist so leicht, dass es nicht ganz senkrecht nach unten fällt (wegen des Gewichts der Beschlagteile).

Die Bedienung der Riegel für die Klappwände ist leider eher umständlich. Sie sind so gebaut, dass sie über den Hebelweg die Klappe dicht an die Ecken der Stirnwände heran drücken können. Im geschlossenen Zustand müssen sie mit einem Splint gesichert werden, der an einem feinen Kettchen hängt. Dieser Vorgang erfordert eine Pinzette - zum Öffnen genügt ein Fingernagel.

 

Das Ladegut und weitere Anmerkungen

Der Bau der Grubenholzladung wird auf der entsprechenden Seite zum Thema „Ladegüter für Modelleisenbahn–Güterwagen” beschrieben. Sie musste wegen des Bremsersitzes und der Wagenkasten–Maße für den Waggon passend gebaut werden. Mit 380 Gramm Gewicht macht sie das Wägelchen auch recht schwer.

Ein solcher Wagen mit seitlich abklappbaren Wänden ist in einigen Betriebssituationen nicht so gut einzusetzen. Bei sehr schmalen Laderampen an Güterschuppen muss die Klappe vor der Zufahrt geöffnet werden, weil eine Ladebrücke bei zu wenig Tiefe der Rampe sonst nicht mehr angesetzt werden kann. Gerade dieses „Problemchen” kann jedoch für kurzweilige Rangierspiele sorgen.

Bei genug Tiefe der Rampe oder einer genauen Positionierung des Wagens vor der Güterbodentür macht eine entsprechend lange Rampe wiederum Sinn. 75 cm Bordwandhöhe sind allerdings nicht gerade wenig.

Seine eigentliche Stärke dürfte so ein Wagen am Freiladegleis oder vor dem Güterschuppen zeigen. Da wird bei abgeklappter Seitenwand die Beladung von LKW–Pritschen gegenüber Wagen mit mittleren Klapptüren deutlich vereinfacht. Die gesamte Ladelänge ist ja bequem zu erreichen, auch für Güterboden–Arbeiter mit Stückgut. So regt der Wagen förmlich zum Bau eines passendes Gepäckkarrens an.

Die Optik und die geringe Gesamtlänge machen den sehr alten Wagen für einer kleine IIm–Modelleisenbahn sehr interessant.

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