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Modellbahn: Grundlagen

Planung

Es ist soweit. Sie wissen, was Sie bauen möchten. Die Vorgaben sind so halbwegs geklärt. Die nötigen Informationen haben Sie so gut es ging zusammen getragen. Jetzt geht es in die konkrete Planungs–Phase für die Anlage.

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Sie möchten nun endlich Ihre Traum–Modellbahn realisieren. Das kann - was wir toll finden - eine kleine Regalbahn sein oder das Projekt einer Gartenbahn (das Hauptthema dieser Website ist schließlich eine LGB®–kompatible Modelleisenbahn im Maßstab 1:22,5).

Hier finden Sie einige Tipps für die Planung aufgeständerter Modellbahn–Anlagen. Weitere Hinweise dazu finden sich auch bei Modellbau: Planung und Vorbild: Gleise: Gleisplan. Im Anlagen–Bereich gibt es eine Seite mit Tipps zu Gartenbahnen.

Abschnitte dieser Seite:

 

Anlagen–Planung

Es gibt etliche mögliche Anlagen–Formen: Rechteck–Anlagen, L– und U–förmige, Ring– und „An der Wand lang”–Anlagen. Welche davon in Frage kommt, hängt vom verfügbaren Platz und vom gewählten Thema ab.

Außer bei sehr eingeschränkten Platzverhältnissen sollten die Bahnanlagen und ihre Umgebung in einem halbwegs angemessenen räumlichen Verhältnis stehen. Nun wird keiner auf einer Innenanlage in Nenngröße II 4 × 1 m als Ackerfläche gestalten wollen. Das ist auch gar nicht nötig.

Wichtig ist, dass das Auge an den Grenzen der Anlage - besonders nach hinten hin - einen plausiblen Halt findet, beispielsweise durch Gebäude, eine schmale Böschung oder ein paar Bäume und Büsche. Eine Straße sollte auch eine Straße und kein besserer Feldweg sein. Mindestens fünf, besser sechs Meter Vorbild–Breite der Fahrbahn dürfen es schon sein.

Ebenso wichtig ist, dass es zumindest ein kleines Stück Strecke gibt. Auf eine Betriebsstelle wird wohl kein Modellbahner verzichten wollen, aber die sollte lieber etwas kleiner ausfallen, als dass es gar keine Strecke gibt. Je länger der sichtbare Streckenteil mit möglichst großzügigen Gleisbögen ist, desto besser. Da gilt es dann oft einen Kompromiss zu finden, wo der sichtbare Teil endet (um einen engeren Bogen zu kaschieren).

Halten Sie sich beim Umfang der Gleisanlagen lieber etwas zurück, wenn Sie dadurch größere Gleislängen gewinnen. Wenn der letzte Winkel Fläche vollständig ausgenutzt wird, wirkt die Anlage unrealistisch überfrachtet und die Gleisführung erzwungen. Versuchen Sie, zur Anlagenkante parallele oder rechtwinklige Linien zu vermeiden. Nutzen Sie den Längengewinn in der Diagonalen aus.

 

Bahnhof, Strecke, Schattenbahnhof

Für einen akzeptablen Bahnbetrieb müssen mindestens drei Teilbereiche vorhanden sein: Ein kleiner Bahnhof - und wenn es nur eine Haltestelle mit drei Weichen ist - ein Stück Strecke und ein Schattenbahnhof. Der repräsentiert die „große weite Welt”, also alles, was nicht sichtbar nachgebildet werden kann oder soll.

Ein Tipp für H0–Bahner: Sie können die Maßangaben hier grob durch 4 teilen, um auf die für 1:87 zutreffenden Werte zu kommen.

Die folgende Abbildung zeigt einen minimalistischen Schattenbahnhof für die Nenngröße IIm. Er benötigt „nur” 4,80 × 0,75 m. Darauf können immerhin 3,2 m lange Zugverbände umfahren werden, was vorwiegend der Wendescheibe (Segment–Drehscheibe) am rechten Ende zu verdanken ist. Die spart gegenüber einer Weiche mit Ausziehgleis etwa 60 cm Länge ein. Auf den Abstellgleisen können zwei Zug–Garnituren von 3 m Länge abgestellt werden, links ist Platz für zwei Triebfahrzeuge oder Triebwagen.

Schattenbahnhof als Gleisplan.
[ ± ].  [ b ].

Bedenken Sie, dass Sie vor dem Schattenbahnhof mindestens noch einmal die erwähnten drei Meter als freie Strecke benötigen, damit Sie unauffällig Zugzusammenstellungen durchführen können. Es sieht natürlich auch seltsam aus, wenn ein Zug direkt vor einem Endbahnhof erscheint und prompt die Flucht zurück in den Schattenbahnhof antritt. Gehen Sie daher als Minimum von drei Metern zum Rangieren und weiteren drei Metern Strecke aus. Sie sehen, dass so schnell respektable Längen entstehen.

Bei Schmalspur–Bahnen ist die bei Regelspur–Modellbahnen übliche Praxis, verdeckte Anlagenteile hinter einer Tunneleinfahrt beginnen zu lassen, keine besonders Vorbild–gerechte Idee. Auf Schmalspurbahnen gibt es nur selten Tunnel. Die optische Trennung zwischen Strecke und Schattenbahnhof findet besser über Gebäude, Felsen oder Pflanzen statt. Die kleine Abbildung zeigt ein Beispiel dafür mit einem S–Bogen, die sich durch Felsen und Bäume schlängelt.

Wenn Sie als Betriebsstelle einen Durchgangs–Bahnhof oder Haltepunkt nachbilden und einen Kreisverkehr vermeiden möchten, sollte einer der Streckenteile (eventuell verdeckt) zurück zum Schattenbahnhof am anderen Streckenteil führen. Ansonsten kann auch einfach eine zusätzliche Umfahrungs–Möglichkeit vorgesehen werden.

 

Gelände

Bei der Planung der Modellbahn spielt das Gelände eine wichtige Rolle. Auf ein Brett genagelte und eingeschotterte Gleise sehen aus wie auf ein Brett genagelte und eingeschotterte Gleise, nicht jedoch wie ein Gelände.

Erstens sind neben dem Bahndamm, der meist leicht erhöht liegt (damit das Wasser besser ablaufen kann), ein schmaler Fußpfad und mindestens auf einer Seite ein kleiner Entwässerungs–Graben. Zweitens wird nur die unmittelbare Umgebung des Bahndamms durch Aufschüttungen oder Aushebungen planiert. Wenige Meter weiter zeigt sich die natürliche, unregelmäßige Form der Landschaft - oder die durch den Menschen kultivierte in Form eines Felds. Schon geringe Höhenschwankungen lassen das Gelände sehr viel echter wirken, als wenn es völlig eben wäre.

Tipp: Planen Sie das Null–Niveau Ihrer Anlage einige Zentimeter unterhalb der Gleislage. Auffüttern ist leicht, beispielsweise mit Styrodur®, das Ausschneiden von Vertiefungen schwer.

Kunstbauten werden bei der Eisenbahn nur dort eingesetzt, wo es einen triftigen Grund dafür gibt, denn sie sind teuer. Eine Brücke wird beispielsweise nur gebaut, wenn

  • ein Durchlass für Wasser, einen Weg oder gar eine Straße entstehen soll.
  • die nötigen Aufschüttungen unmöglich sind oder teurer wären als eine Brücke.

Ein solcher Grund muss bei der Situation auf Ihrer Anlage klar werden, sonst denkt sich der Betrachter: „Aha, da sollte also eine Brücke hin”.

 

Zugänglichkeit und Betrachtungshöhe

Bei größeren Anlagen aller Maßstäbe und schon bei kleineren der Nenngrößen ab 0 sollte sich der Architekt ein paar Gedanken darüber machen, wie denn beim Bau und später jeder Punkt der Anlage von Hand zu erreichen ist.

Als Faustregel kann gelten, dass ab 75 cm Tiefe eine zusätzliche Zugriffs–Möglichkeit benötigt wird - entweder von der anderen Seite oder über einen herausnehmbaren Teil der Anlage. Das Wartungsteam des Fremde Seite Miniatur Wunderland in der Speicherstadt Hamburg kann ein Lied davon singen.

Bei Gartenbahnen kann es ähnliche Probleme geben. Denken Sie daran, dass die Strecke eventuell an bestimmten Stellen auch mit einer Schubkarre überquerbar sein muss.

Wenn Sie eine aufgeständerte Anlage bauen - das kann auch eine Modul– oder Segmentanlage sein - dann achten Sie auf eine günstige Betrachtungs–Höhe. Es sollte - je nach Maßstab - möglich sein, aus etwa 20 bis 30 Zentimetern Höhe auf die Anlage zu schauen - und aus Augenhöhe ohne allzu große Verrenkungen. Dabei bietet sich - besonders im Hinblick auf Kinder - eine Höhe von etwa einem Meter an. Erwachsene haben damit im Sitzen einen guten Blickwinkel und Kinder im Stehen.

 

Unterbau und Akustik

Bei Gartenbahnen benötigen Sie ein Planum, eine Drainage– und eine Trägerschicht (verdichtetes Erdreich, Kies, Rasenkantsteine). Das ist aber hier nicht das Thema.

Anders sieht es bei aufgeständerten Modelleisenbahn–Anlagen aus. Da ist die offene Spantenbauweise erfahrungsgemäß die beste (siehe die erste Abbildung des Abschnitts). Dies sind ihre Vorteile.

  • Sie bietet einen idealen Kompromiss zwischen Stabilität und Gewicht.
  • Sie erlaubt abwechslungsreiche Gelände–Niveaus.
  • Trassen und Grundplatten lassen sich leicht aufständern.
  • Sie ist schwingungsarm, solange nicht große Platten aufgesetzt werden. Dadurch rollen Fahrzeuge leiser ab.
  • Kabel und elektrische oder elektronische Schaltungen lassen sich leicht verdeckt unterbringen.

Die Außenzargen solcher Konstruktionen sollten grundsätzlich höher als die inneren Streben ausfallen. Als Minimum ab Baugröße H0 können acht bis zehn Zentimeter gelten. Das wichtigste Kriterium ist die Verwindungs–Steifheit, vor allem diagonal in der senkrechten Achse.

Wenn Sie solche Unterbauten planen, dann bedenken Sie bitte, dass die Konstruktion eventuell teilbar sein muss, um bei einem Umzug aus dem Zimmer hinaus zu können. Auch ist es praktisch, jeweils nur kleinere Teilstücke von zum Beispiel 1,20 m Länge zu bauen und gut zugänglich fertig zu stellen. Diese lassen sich später mit Schloss–Schrauben in Hülsen und Flügelmuttern verbinden.

Zur Eindämmung von Rollgeräuschen bietet sich eine Unterlage aus Kork oder besser Styrodur®–Dämmplatten an. Dafür müssen Sie die nötige Höhe einplanen oder abziehen. Große Platten in Rechtecken sind ein guter Resonanzkörper. Suchen Sie kritische Punkte und dämmen Sie die Schwingungen mit unten schräg angebrachten, senkrechten Leisten.

 

Unterbringung

Wenn Sie mit einer Modelleisenbahn im Maßstab 1:22,5 liebäugeln, sollten Sie zwei weitere wichtige Punkte bei der Planung berücksichtigen: den Platz für die Unterbringung und das Gewicht der Teile.

Modelle in Nenngröße II sind nämlich groß und meist auch schwer. Eine kleine Lokomotive kann durchaus schon knapp drei Kilogramm auf die Waage bringen. Ein kurzer, vierachsiger Wagen ist rund 50 cm lang, kann aber auch mehr erreichen. Ein kleines Gebäude benötigt 40 cm Kantenlänge und eine eben solche Höhe.

Die Regale oder Schränke, in denen Sie Ihre Modelle unterbringen wollen, müssen daher groß und stabil sein. Schon ein kleiner Fuhrpark braucht gut sechs bis sieben Meter Stelllänge.

Außerdem benötigen Sie eine Arbeitsfläche, auf der Sie beispielsweise Gebäude–Modelle montieren können.

Wenn Sie eine Gartenbahn betreiben oder gelegentlich zu Treffen fahren möchten, sollten Sie sich auch ein paar Gedanken darüber machen, wie sie Ihre Modelle transportieren können. Das ist besonders bei empfindlichen Eigenbauten keine einfache Aufgabe.

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