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Modellbahn: Grundlagen

Konzepte

Die meisten Modellbahner machen Ihre ersten Erfahrungen mit dem Inhalt einer Startpackung, oft im Kinderalter unter dem Weihnachtsbaum. In den ersten Tagen mag es ja noch Spaß machen, eine Lok mit zwei, drei Wagen auf einem engen Gleiskreis herum zu jagen - dieser Reiz hat sich jedoch schnell erschöpft. Was kommt als nächstes?

Der nächste logische Schritt besteht darin, eine Möglichkeit zum Rangieren zu bieten. Drei Weichen sollten es sein: zwei für ein Ausweichgleis und eine für ein Abstellgleis. Aber ach, die Begehrlichkeiten wachsen schnell. Eine Anlage muss her, eine richtige, große Anlage!

An diesem Punkt werden viele Fehler gemacht. Wie sollte das den Neueinsteigern auch verübelt werden, wenn ihnen die Modelleisenbahn–Industrie den Weg mit den famosen „A B C”–Schienen–Sets weist?

Eine wichtige Bedingung für mehr Freude an der Modelleisenbahn ist ein stimmiges Konzept. Davon ist hier die Rede.

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Falle Startpackung

Modellbahn–Startpackungen werden meist von Modellbahn–Novizen gekauft. Sie vertrauen der Beratung der Verkäufer (die durchaus kompetent sein kann). Nun kann sich jedoch kein Verkäufer die Zeit nehmen, den Kunden so ausführlich zu beraten, wie es nötig wäre, denn das lässt die enge Marge der Startpackungen nicht zu. Seine Hoffnung und Ihr Nutzen wird eher sein, dass Sie ein neuer Kunde werden.

Das Gute an den Startsets ist, dass sie billig sind. Das Schlechte daran ist, dass sie billig sind. Gut ist daran, dass es kein finanzieller Beinbruch ist, wenn sich die Startpackung als Fehler erweist. Die schlechte Nachricht ist, dass in den Startpackungen oft anderweitig schlecht einsetzbare, teils sehr abgespeckte Modellvarianten verwendet werden. Das können Lokomotiven mit unvollständiger Steuerung oder exotische Varianten von Güterwagen sein. Weichen lassen sich zuweilen nicht nachträglich polarisieren, und manches Fahrpult ist arg schwach in der Leistung. Die Radien der gebogenen Gleise sind oft die engsten, die der Hersteller anbietet.

Diese Mängel treffen nicht auf alle Startpackungen zu. Mittlerweile gibt es auch gehobene Angebote, die durchaus zufrieden stellen können.

Die Startpackungen sind deswegen so billig (und nicht etwa preiswert) zu haben, weil die Hersteller die Kunden damit an die eigene Marke binden möchten. Dagegen ist ja auch nichts einzuwenden. Wer also sicher ist, dass er genau das, was in der Packung ist, auch gebrauchen kann, sollte zugreifen. Wenn das nicht der Fall ist, ist die Beschaffung einzelner Komponenten auf lange Sicht preiswerter.

Bevor eine Entscheidung getroffen wird, sollte sich der angehende Modellbahner mit Hilfe von Fachzeitschriften und dem Internet (Foren) informieren, was andere Modellbahner schon gemacht haben - und wie. Auch Fachbücher der Eisenbahn–Verlage sind sicher eine gute Investition. Wer diese nicht gleich kaufen will, kann sie eventuell in einer Bibliothek lesen oder ausleihen.

Außerdem sollten Sie ihre zeitlichen, finanziellen, räumlichen und handwerklichen Möglichkeiten realistisch eingeschätzen.

 

Der Weg zum eigenen Konzept

Schritt Nr. 1: Finden Sie heraus, was Sie mit der Modellbahn erreichen und / oder darstellen möchten. Wenn Sie nicht nur Fahrzeuge sammeln und gelegentlich auf provisorisch verlegten Gleisen fahren lassen möchten, sollten Sie sich ein Thema für ein Link zum Glossar Diorama, ein Link zum Glossar Modul, eine Link zum Glossar Segment–, Regal– oder normale Anlage suchen.

Schritt Nr. 2: Prüfen Sie, ob sich das Projekt (und wenn, dann in welcher Nenngröße) realisieren lässt. Dazu benötigen Sie genug Platz, genug Geld, genug Zeit (Großanlagen können zu einem unvollendeten Lebenswerk werden) und genug handwerkliche Fähigkeiten. Außerdem muss Ihr Vorhaben in einer akzeptablen Zeit erste Erfolgserlebnisse ermöglichen. Wenn nur eine dieser Bedingungen nicht erfüllt ist, müssen Sie noch an den Eckdaten oder Ihren Wünschen feilen. Nehmen Sie Abstand von Gleisbögen und Weichen der engen Radien. Statt Platz zu sparen, kaufen Sie sich damit langfristige Enttäuschungen ein.

Schritt Nr. 3: Zerlegen Sie das Projekt in Abschnitte. Jeder dieser Abschnitte sollte, gleich einem Meilenstein in der Projektverwaltung, ein erreichtes, konkretes Ziel haben. Eines dieser Ziele könnte beispielsweise sein, einen geeigneten Grundstock an rollendem Material zusammen zu stellen, der eine Betriebsaufnahme ermöglicht. Ein Weiteres könnte im Bau eines ersten Teilstücks liegen, auf dem schon ein wenig rangiert werden kann. Eine dritte Aufgabe könnte in der Bestimmung und Beschaffung der nötigen elektrischen und elektronischen Schaltungen bestehen.

Achten Sie auch darauf, dass Sie genug kleine Unterprojekte ausgliedern, beispielsweise den Bau eines Güterschuppens oder Empfangsgebäudes oder die Ausrüstung der Reisezugwagen mit Beleuchtung. Das sorgt für kleine, motivierende Erfolgserlebnisse, wenn die Zeit oder das Geld einmal knapper sind.

Falls Sie Freunde und / oder Familie haben - vergessen Sie diese nicht. Beide sind ungleich viel wertvoller als die schönste Modellbahn. Vergessen Sie also nicht, ihnen genug Zeit einzuräumen und die Familie, wenn möglich, in Ihr Hobby zu integrieren. Lesen Sie hierzu auch im Bereich „Kinder”.

Die Punkte bis hierher sollten Sie nicht nur im Kopf abarbeiten, sondern schriftlich. Seien Sie realistisch und machen Sie sich nichts vor. Wenn nach der dritten Lektüre immer noch alles stimmig erscheint, präsentieren Sie im Idealfall das Konzept einschließlich aller Unterlagen (Hintergrund, Platzangaben, Gleisplan) den Mitgliedern eines Vereins oder Forums und bitten Sie diese um eine Prüfung. Sie werden erstaunt sein, was von „alten Hasen” noch als mögliches Problem oder als Schwachpunkt erkannt wird.

 

Versuche und Lehrzeit

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen” - dieser alte Sinnspruch ist nur zu wahr. Jeder muss sich die nötigen Fertigkeiten und Kenntnisse erst einmal aneignen.

Daher ist es stets sinnvoll, sich neue Bereiche, Aufgaben und Fertigkeiten zunächst an Hand eines Musters oder Versuchs zu erschließen und dabei erste Erfahrungen zu sammeln.

Das gilt besonders, wenn von den gewonnen Erkenntnissen eine wichtige Entscheidung abhängt. Beispielsweise sollten Sie keine Anlage planen, ohne vorher Fahrversuche mit den gewünschten Fahrzeugtypen auf den ins Auge gefassten Gleisen gemacht zu haben. Sie sollten keine Steigung einplanen oder gar bauen, bevor Sie nicht die Zugkraft der schwächsten Lokomotive mit dem längsten und / oder schwersten in Frage kommenden Zug gemacht haben. Sie sollten nicht anfangen, eine Großbahn mit zu dünnen Leitungen für die Fahrstrom–Versorgung oder Beleuchtungen zu verkabeln.

Das wird schon klappen” ist kein gutes Motto für Spaß an der Modelleisenbahn!

 

Beispiele für Themen

Welche Themen sich gut nachbilden lassen, hängt vom verfügbaren Platz, dessen Form und der Nenngröße ab. Schon kleinste Anlagen mit einem kurzen Stück Strecke können viel Spaß machen.

Hier folgen ein paar Anregungen für Modellbahn–Themen.

  • Ein kleiner Endbahnhof einer Schmalspur–Stichbahn mit einem Stückchen Strecke und einem Schattenbahnhof.
  • Ein Haltepunkt mit einem Ausweich– und Ladegleis auf freier Strecke.
  • Ein Industrieanschluss, beispielsweise an einem Sägewerk oder wie bei der Buderus AG in Lollar. Ein Bild finden Sie auf unserer Seite zum Thema.
  • Ein Steinbruch oder Kalkbergwerk.
  • Ein Hafenkai, auf dem über Kräne und Muskelschmalz Güter von Booten oder Schiffen auf die Bahn und Lastkraftwagen verladen werden, oder ein in das Meer gebauter Fähranleger wie auf Wangerooge.
  • Der Ausschnitt einer Feldbahn - was besonders wenig Platz braucht.
  • Ein Teilstück einer alten elektrischen Schmalspur–Bahn auf einem Hochplateau, wie zum Beispiel auf dem Ritten von Maria Himmelfahrt nach Klobenstein. Kurzinfo: Fremde Seite www.scritti.de/text/ritten.html.
  • Eine Waldbahn zur Holzverladung.
  • Eine Waggon–Reparaturhalle von innen.

Größere Projekte sind beispielsweise Bahnbetriebswerke oder gar Durchgangsbahnhöfe an Hauptstrecken.

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