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Digital–Betrieb

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Die multimauspro® von Roco

Die Begehrlichkeiten des Modelleisenbahn–Freunds und der Zustand seiner Hobbykasse zeigen zuweilen eine gewisse Uneinigkeit. Umso erfreulicher ist es, wenn ein lang gehegter Wunsch doch erfüllt werden kann. Noch besser ist es, wenn das mit dem halben Budget möglich wird.

Beides hat Roco Anfang des Jahres 2010 (endlich) mit der multiMAUSpro® ermöglicht, die eine Link zum Glossar DCC–kompatible Digitalsteuerung mit Funkbetrieb um relativ kleines Geld bietet. Für das Start–Set 10832 müssen etwa 450,- € als „Straßenpreis” angespart werden.

Hier folgt ein Erfahrungsbericht mit Testergebnissen.

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Beschreibung der Funkmaus und Digitalzentrale

Der Lieferumfang des Startsets umfasst:

  • Die nun blaue Funkmaus 10812 (Sie benötigen zusätzlich drei Micro–Batterien im AAA–Format).
  • Die nun echte Digitalzentrale multiZentralepro® (10830).
  • Die CD mit der Rocomotion–Software (Version 5.9).
  • Ein Anschlusskabel für die Roco–Gleise mit einem Schräubchen als Sicherung für die Platine. Es ist nicht weiter schwierig, das Kabel für andere Anschlussarten umzumodeln. Die Doppellitze hat jedoch einen recht dünnen Querschnitt.
  • Ein USB–Kabel für die Verbindung der Zentrale mit dem Computer.
  • Das Handbuch in deutscher, englischer, französischer und italienischer Sprache.
  • Den Ausdruck des Prüfprotokolls (den Sie gut aufheben sollten).

Ein Trafo ist in dem Set nicht enthalten. Das ist aus zwei Gründen auch richtig so. Zum einen kann ein eventuell vorhandener Trafo weiter verwendet werden. Zum anderen kann - sehr gut! - die Zentrale nun auch mit Gleichspannung bis 24 Volt gespeist werden (beispielsweise über ein Schaltnetzteil). Das ging bei dem alten Verstärker noch nicht, weil die Eingangsdioden des Gleichrichters zu schwach ausgelegt waren.

Das Handbuch enthält einige Fehler und wirkt insgesamt ein wenig lieblos, auch von der Typografie her. Es macht außerdem den Eindruck, als ob es eher von Ingenieuren als Praktikern verfasst worden sei.

Das System funkt mit 2,4 GHz. Der Funkempfänger ist in der Zentrale. Als Protokoll wird Fremde Seite IEEE 802.15.4 verwendet („ZigBee”). Zur Verfügung stehen 16 Kanäle, was allenfalls bei größeren Veranstaltungen knapp werden kann. Wichtig: Die Funkverbindung ist bidirektional. Das heißt, die Maus funkt zur Zentrale und die Zentrale zur Maus. Als Mikroprozessor beider Seiten für den Funk werden Standard–Bauteile von Atmel aus der ZigBit–Serie verbaut.

Die Anlage ist weitgehend abwärtskompatibel. So können auch ältere Lokmäuse und natürlich die rote multiMaus als Eingabegeräte benutzt werden. Da das DCC–Signal jetzt in der echten Zentrale erzeugt wird und nicht mehr in der Master–Maus, werden konventionelle Multimäuse automatisch zu Slaves am RocoNet genannten Bussystem.

 

Inbetriebnahme

Zunächst einmal müssen die gesondert zu beschaffenden drei Batterien oder Akkus eingelegt werden. Das erfordert einen kleinen Kreuzschlitz–Schraubendreher (siehe erstes Bild dieses Abschnitts). Leider findet sich weder im Handbuch noch sonst ein Hinweis darauf.

Schon aus Platzgründen ist es verständlich, dass es drei Batterien sind. Das ist jedoch nicht so glücklich, da sowohl diese wie auch Akkus bei gemeinsamem Einsatz stets den genau gleichen Ladezustand haben sollten. Wer also Akkus bevorzugt (an sich sinnvoll), benötigt ein Ladegerät, bei dem jeder Ladeschacht einzeln kontrolliert wird.

Die Funkmaus wird anschließend durch einen Druck auf die Lichttaste eingeschaltet. An der Vorderseite der Zentrale befindet sich ein weißer Taster. Der muss nun für drei Sekunden gedrückt werden, damit sich Maus und Zentrale über einen zu verwendenden, freien Kanal verständigen können. Während dieses Vorgangs leuchten alle Leuchtdioden nacheinander auf, wenn er abgeschlossen ist, nur noch die für Funkempfang und Stromversorgung (die beiden grünen LED rechts und links, siehe auch nächster Abschnitt).

Wird die selbe Taste danach und kürzer als drei Sekunden betätigt, löst sie einen Nothalt aus.

Diese Synchronisation ist übrigens nur bei der ersten Inbetriebnahme nötig. Sofern nicht andere Funkmäuse mit ins Spiel kommen, genügt fortan ein Druck auf die Licht/OK–Taster der Roco–Maus.

Die Inbetriebnahme mit nur einer am RJ12–Kabel angeschlossenen, konventionellen multiMaus (der roten) funktioniert wie bei der Vorversion: Es genügt, den Netzstecker in die Steckdose zu stecken und einen Augenblick zu warten. Ein Tastendruck ist nicht nötig.

Die Programmierung der Lokbibliothek mit den Klartextnamen für die Triebfahrzeuge (maximal fünf Zeichen) verläuft ebenso unkompliziert und schnell wie bei der Vorversion. Für drei Lokomotiven wurde etwa eine Minute Zeit benötigt.

In beiden Testfällen waren die Triebfahrzeuge nach wenigen Sekunden ansprechbar.

 

Die multiZentralepro® und ihre Anschlüsse

Ob es die Vernunft oder einfach nur Platzprobleme sind: Anders als beim Verstärker 10764 sind die Anschlüsse für Geräte am Kabel (außer dem Booster) nun ganz richtig auf die Vorderseite am Kästchen gewandert.

Neben dem schon erwähnten Taster für die Funk–Synchronisation und den drei Slave–Buchsen mit 6P6C–Belegung (sechs Pole und sechs davon verbunden) finden sich dort nun vier statt zwei Leuchtdioden. Deren Bedeutung ist von links nach rechts:

  1. Grün: Die Zentrale hat Funkkontakt zu einer Funkmaus.
  2. Gelb: Die Zentrale befindet sich im Programmier–Modus. Diese Leuchtdiode blinkt bei einem „Notaus” oder bei einer Abschaltung der Anlage wegen verlorenem Funkkontakt. Ob letzteres auch geschieht, wenn zusätzlich eine Kabel–gebundene multiMaus angeschlossen ist, konnten wir noch nicht prüfen.
  3. Rot: Eine blinkende LED deutet auf einen Kurzschluss oder sonstigen Fehler hin. Bei einer dauerhaften Überlastung und damit verbundenen Abschaltung der Zentrale leuchtet sie ständig.
  4. Grün: Die Blinkfrequenz der Leuchtdiode zeigt den aktuellen Stromhunger der Anlage an (langsam = gering, schnell = hoch).

Nun zur Rückseite der Digitalzentrale. Da finden sich diese sieben Anschlüsse:

  1. Anschluss für einen Booster (Stromverstärker) als RJ11–Buchse (4P4C–Belegung mit vier verbundenen Polen).
  2. Anschluss für das Hauptgleis.
  3. Anschluss für das Programmiergleis.
  4. RJ12–Buchse für den Rückmelde–Datenbus.
  5. Eine bisher unbenutzte RJ12–Buchse für Zusatzfunktionen („ext”).
  6. Der Stromanschluss über eine Koaxialbuchse für Stecker im Format 5,5 × 2,1 mm. Passende Stecker sind z.B. bei Conrad zu haben.
  7. Die USB–Anschlussbuchse für die Verbindung zum PC.

In einem Punkt „schwächelt” die neue Zentrale ebenso wie der Vorgänger. Es gibt nämlich keine Möglichkeit, das sehr leichte Teil zu befestigen. Das Spiralkabel 10754 von Roco kann daher leicht zu sehr unerwünschten Sprüngen führen. Auch wird die Anbringung bei einer stationären Anlage nicht so einfach. Geschickte Modellbauer werden jedoch sicher eine tragbare Lösung finden.

 

Die Reichweite allgemein

Dieses Thema dürfte vor allem Gartenbahner interessieren. Wie sieht es mit der Reichweite der Funkverbindung aus?

Das Symbol für die Feldstärke im Display der multiMAUSpro.
[ ± ].

Zentrale und Bedienteil verständigen sich in regelmäßigen Abständen darüber, wie gut sie einander noch „hören” können. Die Ergebnisse werden auf der Hintergrund–beleuchteten Anzeige des Bedienteils angezeigt (siehe Bild).

Drei Striche bedeuten eine ausgezeichnete Funkverbindung, zwei eine mittlere, einer eine eher schwächere und keiner eine kritisch schlechte. Reisst die Verbindung ganz ab, blinkt das Symbol, und die Zentrale schaltet wahrscheinlich nur die Funkverbindung ab (und geht in den Notaus–Zustand). Wie schon erwähnt, gilt es noch zu testen, was geschieht, wenn noch eine weitere multiMaus angeschlossen ist (per Kabel oder Funk). Darüber schweigt sich die Anleitung leider aus.

Zunächst einmal wurde unabhängig von der Funktion die Anzeige der Feldstärke getestet. Drei Striche sind nur auf geringe Entfernung und ohne störende Wände zu haben (etwa vier bis fünf Meter bei „schwierigem Gelände”. Trotz Anzeige der schlechtesten Signalqualität (kein Strich) war jedoch auch durch mehrere Wände und einen Schlot hindurch bei etwa zehn Metern Abstand keine Beeinträchtigung der Funktion festzustellen.

Noch erstaunlicher: Auf gut 20 Meter Entfernung und durch etliche Wände (darunter auch massive Außenwände mit 50 Zentimetern Stärke) ließ sich beispielsweise das Licht noch ohne Schwierigkeiten ein– und ausschalten.

 

Die Reichweite im Garten

Eine Gartenbahn haben Vater und Tochter zwar nicht, wohl aber einen ausgedehnten Hof mit angrenzendem Garten. Zunächst wurde wieder die Anzeige der Signalstärke geprüft, und das auf wachsende Entfernungen und auch um Häuserecken herum.

Die durch die Zäune zum Nachbargrundstück vorgegebene größte mögliche Entfernung im Freien betrug dabei etwa 26 Meter.

Zunächst wurde (das gute Wetter machte es möglich) die Zentrale im Freien aufgestellt, und zwar so, dass es aus dem größten Teil des Gartens eine freie Verbindung ohne störende Wände gab. Bei diesem Test fiel die Anzeige der Signalstärke zwar gelegentlich auf nur einen oder sogar gar keinen Strich ab, die Funktion und Sicherheit war jedoch in keiner Weise beeinträchtigt. Um die 25 Meter Reichweite sind also bei passablen Bedingungen kein Problem.

Problematisch wurde es erst beim Versuch, ohne Sichtkontakt schräg durch zwei Außenmauern mit 50 Zentimeter Stärke zu funken. Da brach der Funkkontakt ab, wurde jedoch nach „Wiedereintritt” in den Sendebereich automatisch wieder aufgenommen. Dieser Fall ist nicht ganz Praxis–fern, da die Zentrale ja nicht unbedingt dort stehen muss, wo sich das aktuelle Triebfahrzeug befindet.

Beim nächsten Test wurde die Zentrale im Haus untergebracht und nur das Schienenanschluss–Kabel nach draußen geführt. Das wäre beispielsweise bei drohendem Regen eine typische Situation, denn das Kästchen sollte natürlich weder feucht noch gar nass werden. Die Zentrale wurde nahe bei einem Fenster, jedoch unterhalb des Fensterbretts im Haus aufgestellt.

Die Ergebnisse unterschieden sich in keiner Weise von den vorherigen Messungen, nur dass diesmal sogar 28 Meter Entfernung überbrückt wurden. Sehr wahrscheinlich dürften auch 30 Meter und mehr - das ist schon beachtlich - kein Problem sein.

 

Auslesen der CV–Werte

Dieser besonders wichtige Punkt wird im Handbuch der multiMAUSpro etwas stiefmütterlich behandelt. Kurz wird beschrieben, wie sich der Lese–Modus einstellen lässt, und noch kürzer, dass bei der Programmierung der aktuell eingestellte Link zum Glossar CV–Wert angezeigt wird. Dass es über die mitgelieferte Software funktioniert, geht aus deren Beschreibung und Menü hervor. Aber wie ist es mit der Maus selbst?

Folgende Bedingungen müssen laut Handbuch erfüllt sein, damit ein CV–Wert gelesen werden kann:

  1. Die Lokomotive (der Triebwagen) muss auf dem Programmiergleis stehen. Dieser Hinweis ist allerdings nur im Umkehrschluss zu haben.
  2. Die Zentrale darf nicht im POM–Modus sein („programming on main”, also Programmierung auf dem Hauptgleis).
  3. Der Lese–Modus muss passend zum Decoder eingestellt sein. Dabei gibt es folgende Möglichkeiten:
    1. Nicht auslesen (für Decoder, die nicht ausgelesen werden können).
    2. Bit– und Byte–weise (Werkseinstellung).
    3. Nur Bitweise (schneller).
    4. Byteweise (sehr langsam).

Bei einem auslesefähigen Decoder werden die aktuell eingestellten Werte angezeigt, wenn die betreffende Konfigurations–Variable (CV) im Programmier–Modus aufgerufen wird.

Bei ersten Versuchen mit einer Lok und einem Zimo–Decoder MX64H glückte es nicht, den aktuell eingestellten Wert auf den Bildschirm zu zaubern. Es klappte auch nicht bei Umstellung des Leseverfahrens (Bit– oder Byte–weise). Eine „Laufschrift” belehrte darüber, dass der Wert nicht gelesen werden könne („Keine Bestaetigung”). Das liegt offenkundig am Decoder, worauf auch das Handbuch schon hinweist. Mit einer beim Fachhändler des Vertrauens ausgeliehenen Lok von Trix klappte es hingegen sofort und ohne Probleme.

 

Die Rocomotion–Software und die Fahrwege

Wurde bei der roten multiMaus® noch das Rocomotion Interface als Schnittstelle zum heimischen Computer benötigt, so kann die neue Zentrale per USB (Universal Serial Bus) direkt damit verbunden werden.

Die Software ist zugekauft und stammt von Fremde Seite Jürgen Freiwald (TrainController, TrainProgrammer).

Mangels einer Modellbahn–Anlage können wir zu deren Funktion nicht viel sagen. Die Installation ist nicht ganz zeitgemäß, da der Benutzer nach dem Einlegen der CD aufgefordert wird, die Installationsdateien zunächst zu speichern und dann per Doppelclick zu starten.

Die Oberfläche der Programme wirkt ein wenig unübersichtlich und erinnert vom Design her an die frühen Zeiten von Windows 95. Immerhin werden bei der Installation nicht ungefragt Einträge im Startmenü oder auf dem Desktop erstellt. Mit ein wenig Einarbeitungszeit ist das Werkzeug sicher gut zu bedienen.

Für Freunde der Software bietet Jürgen Freiwald ein Forum, in dem anstehende Frage besprochen und beantwortet werden können. Das mag durchaus mehr wert sein als eine schicke Oberfläche, zumal es bei ersten Versuchen keine Probleme mit der Funktion gab.

Ein neues Feature der multiMAUSpro® sind die 16 programmierbaren Fahrstraßen (im Handbuch „Fahrwege” genannt). Das ist sicher nützlich. Leider hapert es genau da im Zusammenspiel mit der Software. Denn die Bedienung dieser Fahrstraßen über den PC ist anscheinend nur mit höheren Versionen möglich.

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Fazit

489,- € u.v.P. sind eine Menge Geld. Es ist jedoch nicht einmal die Hälfte von dem, was der Wettbewerb für Digitalanlagen mit Funk und meist wesentlich weniger ergonomischen Eingabegeräten aufruft. Was nützen jede Menge Möglichkeiten, wenn sie kaum jemand braucht und sie die Handhabung erschweren? Gerade diese ist bei der Funkmaus von Roco jedoch recht einfach, sodass sie auch für Kinder sehr geeignet ist.

Insgesamt fällt das Fazit positiv aus. Die Befreiung vom Kabel ist ein wichtiger Schritt, um in Zeiten von Handy, WLAN und Bluetooth mitzuhalten, und steigert den Spielspaß ganz erheblich (ob nun bei temporär im Hof aufgebauten oder stationären Anlagen).

Alles in allem gibt es wenig zu bemängeln. Das Handbuch ist nicht unbedingt eine große Leistung. Das sollte engagierte Modellbahn–Freunde jedoch nicht abschrecken. Andererseits erreichten uns Anfang 2011 auch kritische Stimmen (siehe zweiten Kasten am Ende dieses Abschnitts).

Sehr angenehm ist die Abwärts–Kompatibilität der bisherigen Funktionen, beispielsweise für die Lokbibliothek. Wer schon Erfahrung mit der konventionellen multiMaus hat, kommt damit sofort klar.

Wer mehr will, kann sich auch durchaus in komplexere Aufgaben einarbeiten, wie beispielsweise Doppeltraktion, Fahrstraßensteuerung oder die Zuordnung von Schnelltasten zu den Adressen von Weichendecodern. Die Programmierung der CV–Werte ist ebenso wenig ein Thema wie die Handhabung „langer” Lokadressen jenseits von 255 oder die Übertragung einer Lokbibliothek vom einen zum anderen Eingabegerät.

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