Dieses Thema gehört halb zum Vorbild, halb zum Modell.
Hier werden Grundsätze der Gleisführung und –anordnung besprochen, betriebliche
Notwendigkeiten und Möglichkeiten. Ziel ist die Entwicklung von Gleisplänen für
eine möglichst kleine Nebenbahn.
Die hier angestellten Überlegungen sind eine nützliche Orientierungshilfe, wenn Sie
eine sehr kleine Modelleisenbahn planen.
Abschnitte dieser Seite:
Jeder kennt die „A–B–C”–Sets der Modellbahn–Industrie.
Die Startpackung wird mit einem Gleisoval oder schlimmer, nur einem Kreis geliefert.
Das „Prellbock–Set” bringt ein Abstell–,
das „Bahnhofs–Set” ein paralleles Ausweichgleis.
Da beginnt schon der erste Fehler (wobei zunächst einmal gar nicht über das Oval oder
den Kreis gesprochen werden soll). Um nämlich Ausgleichsgleise einzusparen, wird das
Bahnhofs–Set (meist) so geliefert, dass die im ersten Bild
dieses Abschnitts gezeigte Situation mit Gegenbögen entsteht. Abgesehen davon, dass bei den
engen Modellbahn–Radien S–Bögen immer unglücklich sind, verkürzt sich
so die nutzbare Gleislänge gegenüber dem darunter abgebildeten, eleganteren und
Vorbild–gerechteren Beispiel ganz erheblich.
[ b ].
Diese Überlegung gilt analog auch für „Abstellgleise”. Auf dem zweiten Bild sind
die schlechte, die beste und eine mittelprächtige Lösung zu sehen. Die „Beste” hat allerdings
einen anderen, ganz erheblichen Nachteil: Soll an diesem Stumpfgleis ein Güterschuppen oder eine
Laderampe sein, geht vor und hinter dem Bahnhof wertvolle Tiefe verloren.
[ b ].
Bei genug Platz sollten S–Bögen beim Vorbild wie Modell vermieden werden. Auf jeden Fall
muss ein ausreichend langes, gerades Stück Gleis zwischen den gegenläufigen Bögen
liegen. Im nächsten Schritt soll das Güterschuppen–Gleis auf
die Bahnhofs–Seite (hier angenommener Weise oben) verlagert werden.
Die im dritten Gleisplan stark verkürzt gezeigte Lösung hat viele Vorteile. Sie spart Tiefe,
weil nur eine Straße hinter Empfangsgebäude und Güterschuppen vorbei geführt werden
muss (da beide auf der selben Gleisseite liegen). Die Nutzlänge des Güterschuppengleises ist ein
geglückter Kompromiss zwischen dieser Bedingung und der Nutzlänge. Und nicht zuletzt
wird der streng geometrische Eindruck des Gleisovals mit seinen parallelen Kanten durch die
zusätzliche Schräge (wegen der zweiten Schrägweiche) aufgebrochen, was allemal
natürlicher wirkt als die darüber gezeigten Varianten.
[ b ].
Sie könnten sich jetzt fragen, was das alles mit dem Vorbild zu tun hat. Die
einfache Antwort: Auch dort wurde und wird stets versucht, aus dem vorhandenen
Raum das Meiste an Nutzen heraus zu holen. Hier dreht es sich um Überlegungen,
die im Großen wie im Kleinen angestellt werden. Sie können dadurch eine Menge
Spielspaß auf kleinerem Raum gewinnen.
Die oben gezeigte Situation - ein Umfahrgleis, ein Stumpfgleis - soll also noch weiter
verfeinert werden. Ohne ein sichtbares Stück Strecke nützt Ihnen die schönste Betriebsstelle
nämlich nur herzlich wenig, weil Sie nicht einmal plausible Rangierfahrten
durchführen können. So stellt sich die Frage, wie bei größtmöglicher
Nutzlänge der Bahnhofsgleise eine möglichst lange sichtbare Strecke auf möglichst
kleinem Raum zu realisieren ist.
Die erste Skizze dieses Abschnitts zeigt die Lösung. Der einzige S–Bogen - rechts an der
Bahnhofs–Ein– oder –Ausfahrt -
muss zwar durch eine Gerade hinter der Weiche gemildert werden. Dafür besteht ein
Ausgleich zu der Schräge der zweiten Weiche links. Wenn Sie sich nun oben ein Gleisoval dazudenken,
wird dieses durch die nötige Schräge schon viel interessanter wirken als die plumpe
Gerade–Ausführung.
Die zusätzlichen Stumpfgleise können nun als „echte” Abstellgleise oder
für Zugzusammenstellungen benutzt werden.
[ b ].
Die dritte Skizze zeigt eine weitere wichtige Regel: Beginnen Sie Bögen mit größeren
Radien, die erst allmählich den Sollradius erreichen (Übergangsbogen, Klothoide). Und eine
weitere Regel für realistische Gleispläne lautet, zu den Anlagenkanten parallele oder
rechtwinklige Linien möglichst zu vermeiden. Sanfte Bögen und leichte Schrägen wirken
stets besser.
Beim Vorbild kommt ein Kreisverkehr nur im weitläufigsten Sinn vor, nicht jedoch
bei kleinen Bahnlinien. Es ist natürlich Unsinn, wenn der Zug um 12:00:00 Uhr in A–Dorf
abfährt und von der anderen Seite um 12:00:30 wieder eintrifft.
Ein Kreisverkehr hat im Modell auch Vorteile.
Die „Hauptbahnhöfe” von Nebenbahnen liegen allerdings meist entweder am Anschluss
zur Hauptbahn oder am entgegengesetzten Ende einer Stichbahn, nicht jedoch mittendrin. Bei
zweigleisigen Strecken kann auch ein sogenannter „Hundeknochen” aufgebaut werden.
Die Nachteile des Kreisverkehrs sind jedoch ebenso klar: Die insgesamt zu erreichenden
360 ° Bogen benötigen viel Platz, wenn sie halbwegs
akzeptable Radien haben sollen. Die Rückführung der Gleise erfordert außerdem einen anderweitig
schlecht nutzbaren Innenraum. Subminiaturradien sind auch keine Lösung, weil selbst kurze
Fahrzeuge darauf übel „abkanten”.
Kehrschleifen sind vor allem bei Straßenbahn–Endhaltestellen
anzutreffen. Was den Platzbedarf angeht, gilt für sie nahezu das für Kreise gesagte.
Kehrschleifen können - genug Platz voraus gesetzt - jedoch auch im Vorbild bei kleinen Stichbahnen
sinnvoll sein. Dort sollten die Fahrzeuge nämlich zuweilen gewendet werden, um einer einseitigen
Abnutzung vorzubeugen. Sie können auch zur Simulation einer Drehscheibe an einem nicht sichtbaren
Start– und Zielbahnhof dienen, und sie ermöglichen trotzdem den „normalen” Zuglauf
mit Umsetzen. Gleisdreiecke sind allerdings weit häufiger anzutreffen und erfüllen den selben
Zweck. Außerdem benötigen sie eventuell weniger Platz.
Die betrieblichen Erfordernisse diktieren in der Regel den Gleisplan (unter Beachtung
der räumlichen Gegebenheiten und von Sicherheitsfragen).
Hinweis: Die Ziffern beziehen sich auf das Bild des Abschnitts.
Sollen beispielsweise Passagiere und allenfalls kleinere Frachtmengen aufgenommen oder
abgesetzt werden, wird ein einfacher Haltepunkt (1) an freier
Strecke genügen.
Betriebe mit Gleisanschluss (2) haben im einfachsten Fall
nur ein Stumpfgleis. Die Bedienung muss dann mit geschobenen Wagen erfolgen. Soll ein Wagen
bereitgestellt oder aufgenommen werden, muss er nicht unbedingt als letzter im Zugverband
eingereiht werden, der Zug muss jedoch von rechts kommen - oder der Wagen muss von Hand,
einer Winde („Spill”) oder einer Kleinlok auf dem Stumpfgleis zur Rampe bewegt werden.
Ein Haltepunkt mit Ausweichgleis (3) ermöglicht nicht nur
Zugkreuzungen, die bei eingleisigen Strecken kaum vermeidbar sind. Auf dem zweiten
Gleis können auch Wagen zur Be– und Entladung abgestellt und von einem anderen Zug
wieder aufgenommen werden. Dabei gibt es diesmal keine Probleme, da der Wagen von
beiden Seiten erreichbar ist und so beliebig aus dem Wagenverband heraus gelöst und
in ihn eingereiht werden kann.
Die unten im Bild gezeigten Gleispläne (4, Parallel– und Abstellgleis)
sind betrieblich am interessantesten. Hier können Wagen am Freiladegleis
abgestellt werden, gleichzeitig sind noch Zugkreuzungen und Umsetzfahrten möglich.
Diese Version ist beim Vorbild sehr häufig anzutreffen (gewesen).
Hier wird - Schritt für Schritt - ein Gleisplan für eine minimalistische Kleinbahn
entwickelt. Im Beispiel soll der Endpunkt der Stichbahn dargestellt werden. Hier folgt eine
Liste der Bedingungen.
Hier folgt für eine Bahn in IIm, 1:22,5,
eine kurze Berechnung der benötigten Gleisnutzlängen und Bahnhofsgleise.
Freunde der H0m–Schmalspurbahn können die Zahlen durch vier teilen.
Ein kurzer (!) Güterzug besteht zum Beispiel aus einem Dreikuppler sowie sechs Waggons gemischter Länge
(30 - 50 cm LüP).
Dafür werden zwischen Weichengrenzzeichen an Parallelgleisen mindestens 2,50 m
Länge benötigt (knapp 60 m im Vorbild). Weichengrenzzeichen sind
bei zusammenlaufenden Gleisen bei 3,5 m Abstand
(155,6 mm) aufzustellen.
Das gilt ungefähr auch für eine PmG–Einheit
mit CCi, BCi, Ci, Pwi
und zwei kurzen Güterwagen. Dass diese Länge nicht so abwegig ist, beweist die letzte
Dienstanweisung für die Inselbahn auf Wangerooge aus der
G.O.E.–Zeit
(§ III Absatz 10):
„Die Höchststärke der Züge wird auf 20 Wagenachsen festgesetzt.
[…]”
(zitiert aus Malte Wernings Buch).
Angenommen, es fahren im Verband zwei Vierachser mit, ergeben sich insgesamt acht Waggons.
Im Modell zum Beispiel 6 × 300 mm plus
2 × 500 mm
= 2.800 mm
plus Loklänge (etwa 3,2 m). Ebenfalls da gab es in
der DRG–Zeit häufig
PmGs, die lediglich
aus einem offenen Güterwagen und zwei Personenwagen bestanden. Wieder
Wangerooge: Die Ausweichgleise des Bahnhofs waren 1956
77 m (342 cm),
88 (391 cm), 155 (689 cm)
und 222 m lang.
Beide „Bahnhöfe” müssen also die Möglichkeit bieten, dass sich die
Züge kreuzen, überholen oder ausgetauscht werden können. Benötigt werden
daher (angenommen seien R3–Weichen von LGB®)
bei schräg laufenden Gleisverbindungen eines Durchgangsbahnhofs zwei Parallelgleise, die
inklusive Diagonalabstand und Weichen mindestens 4,7 m,
eher mehr als 5 m Länge belegen.
Analog dazu muss es möglich sein, etwa den doppelten Bestand an Güterwagen im Vergleich
zum „kurzen Güterzug” insgesamt unterzubringen. Angenommen seien hier rund zwölf Wagen
wie folgt: 2 Ow, 1 Xw, 1 SSkw,
1 Sw, 2 Gw, 1 Gkw,
1 Hw–Paar, 1 Kw, 1 Kesselwagen (etwa 3,8 m Länge).
Darin nicht enthalten seien natürlich in Schatten– oder anderen Bahnhöfen abgestellte Wagen.
Alternativ oder ergänzend hierzu wären noch interessant 1 GGw, 1 Viehwagen,
1 OOw (etwa 1,3 m) sowie ein „Fakultativwagen”.
Es werden also Abstell– und Zugzusammenstellungs–Gleise von insgesamt mindestens
4 m Nutzlänge benötigt.
Davon muss mindestens eines ungefähr die Länge des „kurzen” Güterzugs
abzüglich Lok zuzüglich 10 bis 20 % haben (also etwa 2 m).
Wenn davon ausgegangen wird, dass ein Teil der Güterwagen innerhalb eines Zugverbandes bleibt
oder ist, bleibt noch genug Platz, um auch nicht benötigte Personenwagen
(zum Beispiel für einem GmP)
abzustellen.
Schwierig wird es, wenn sich zwei Zugverbände im selben Bahnhof befinden und einer der
beiden umgestellt werden soll. Dafür gibt es nun nämlich keine Umfahrungsmöglichkeit mehr,
es sei denn, eine Lok würde vorbildwidrig einen gesamten Rundkurs abfahren, oder es wird ein
zusätzliches Umfahrungsgleis am Endbahnhof geplant (was die bessere Lösung ist). Alternativ
dazu müssen Stumpfgleise für die Zugzusammenstellung so angeordnet sein, dass auf
die Strecke ausgezogen werden kann oder vor der Eingangs–Weiche ein hinreichend langes
Zwischenstück liegt.
Jetzt bleibt nur noch die Frage, wie auf möglichst kleinem Raum alle diese Forderungen
erfüllt werden können. Nachfolgend werden zwei Varianten eines geeigneten Endbahnhofs vorgestellt -
eine ganz gerade und ein bisschen langweilige, die aber wenig Tiefe benötigt und genug
Platz für Gebäude an der Bahnhofsstraße bietet, und eine geschwungene, die optisch
reizvoller ist, aber mehr Tiefe bei weniger Gebäuden braucht. Dafür können dort auf kleinstem
Raum fast alle Weichentypen verbaut werden.
Oben ist die etwas langweiligere Version zu sehen, die jedoch nur wenig Tiefe braucht. Sie erfordert
in IIm mindestens 7,8 m
Länge. Betrieblich nehmen sich beide Ausführungen kaum etwas. Die unten gezeigte hat den
Vorteil, dass das Lokschuppengleis zum Umsetzen verwendet wird, wodurch auf beiden Stumpfgleisen dieser
Seite Wagen abgestellt werden können. Der Nachteil: Sie braucht sehr viel Tiefe.
Beim unteren Gleisplan sind die vielen verschiedenen Weichen interessant. Von links nach rechts:
Dreiwegweiche, einfache Weiche links, Außenbogenweiche; einfache Weiche rechts,
Doppelkreuzungsweiche, einfache Weiche links, Innenbogenweiche. Am Gleis rechts vom Bahnhofsgebäude
befinden sich die Ladestraße und eine Gleiswaage.
Auf dem dritten Bild sind - mit Ausnahme des Bahnhofs Lollar und von Bedarfshaltestellen - die gedachten
Gleispläne einer fiktiven Schmalspur– Stichbahn abgebildet.
Der Endbahnhof Langsdorf ist der Kartografie wegen gegenüber der links abgebildeten Ansichts–Seite
um 180° gedreht. In Staufenberg zweigt im Osten der
Sägewerksanschluss ab.