Bei Modellbahnen allgemein, aber auch bei der Elektronik für ihren Betrieb spielt Zeit eine ganz
entscheidende Rolle. Beispiele sind die Umwandlung von kurzer Impulse zu solchen von definierter Dauer,
Ein– und Ausschalt–Verzögerungen, Fortschalte–Automatiken und Taktgeber
(zum Beispiel für Blinklichter / Wechselblinker).
Nachfolgend werden typische Schaltungen auf Basis des
IC NE555 (LM555) beschrieben.
Wie Lasten an den Ausgang angeschlossen werden können, wurde schon bei den
Speicherschaltungen (Flipflop) erklärt.
Im Bereich „Sound” wird zusätzlich ein
Monoflop mit einstellbarer Einschaltverzögerung
auf Basis des CMOS–IC 4538 beschrieben.
Im Zusammenhang mit der Fahrtrichtungs–Erkennung werden zwei
sich wechselseitig sperrende Monoflops vorgestellt.
Abschnitte dieser Seite:
Der NE555 kann ideal als Taktgeber eingesetzt werden. So eine Schaltung kann
zum Beispiel benutzt werden, um ein Blinklicht zu steuern, eine Glocke über ein
Relais zu schlagen oder die Taktfrequenz für eine
Impulsbreiten–Modulation
zu liefern.
Im Bild dieses Abschnitts ist die prinzipielle Beschaltung zu sehen. Zunächst ist der Elko entladen.
Dadurch liegt auch an seinem Pluspol GND
(Masse). Das IC wird über Trigger (2) gestartet. Die
interne Verbindung zwischen Discharge (7) und
GND wird unterbrochen. Dadurch kann sich der Elko über R1 und
R2 aufladen. Sobald er 2/3 der Versorgungsspannung
(Uv) erreicht hat, wird das IC zurückgesetzt.
Discharge (7) wird wieder mit GND verbunden, sodass sich
der Elko über R2 entladen kann, bis sein Niveau nur noch 1/3
von Uv beträgt. Dadurch wird der Zyklus erneut gestartet.
Es ist nicht ganz einfach, die gewünschten Werte „hin zu bekommen”. Klar ist:
Größere Werte für R1, R2 und C ergeben längere Zeiten, kleinere kürzere.
Neben den Formeln zur Berechnung von Frequenz, Ein– und Auszeit finden Sie im folgenden Abschnitt
ein Formular, das Ihnen die Tipperei auf dem Taschenrecher erspart.
Tipp: Für Blinde und Benutzer ohne JavaScript ist die allein stehende Ausführung der
Formulare zur Berechnung von Zeitschaltungen
besser geeignet. Da lassen sich die Ergebnisse auch besser kopieren.
Die Einheiten für die folgenden Formeln und das Formular: Ω
(das Zeichen für Ohm), µF, Sekunden,
Hz.
Tipps: Um etwa gleich lange Ein– und Aus–Zeiten zu erreichen, sollte der Wert von
R1 klein sein, zum Beispiel 100 Ω.
Mit dem Wert von R2 und C können Sie dann die Dauer einstellen.
Beispiel 1 berechnen.
Je größer der Wert von R1 im Verhältnis zu R2 wird, desto länger werden die Ein–Zeiten im Vergleich zu den Aus–Zeiten sein.
Sehr kurze Signale mit langen Pausen erreichen Sie (nur), wenn sie am Ausgang
(Pin 3) die Zustände invertieren (an =
aus und aus = an). Der dritte Schaltplan
dieses Abschnitts zeigt eine mögliche Lösung dafür, wenn Sie am Ausgang massekompatible
Signale brauchen.
Beispiel 2 berechnen.
Monostabile Kippstufen sind wichtiger als Multivibratoren. Sie geben beim Eintreffen eines
Impulses am Starteingang T eine Flanke von definierter Länge ab. Sie müssen auch auslaufen,
wenn der Eingang geschlossen bleibt. Sie sollten so beschaltet sein, dass sie erst wieder
für einen neuen Start bereit sind, wenn der vorherige Zyklus abgelaufen ist.
Im Bild ist die grundsätzliche Beschaltung eines Monoflops zu
sehen. Die Dauer des Impulses bestimmt die Kombination aus R1
und dem Elko C.
Zunächst ist der Elko C entladen, das IC im Ruhezustand. Discharge
(7) ist intern mit GND (Masse) verbunden.
Wird nun eine negative Flanke an den Steuereingang (2) gegeben (über den
10 nF–Kondensator gepuffert), wird das interne Flipflop gesetzt
und Discharge von GND getrennt. Jetzt kann sich der Elko
über R1 aufladen. Sobald 2/3
Uv erreicht sind, kippt die Schaltung in den
Ursprungzustand zurück, der Ausgang wird wieder abgeschaltet. Der Elko entlädt sich
über (7) und GND.
Die Formel zu Berechnung der Impulsdauer in Sekunden ist:
t = 1,1 × R × C.
Mit NE555 aufgebaute Monoflops haben zwei unangenehme
Eigenschaften: Wenn die Versorgungsspannung angelegt wird, starten sie einen ersten Zyklus.
Das ist jedoch - besonders bei komplexeren Automatisierungs– Aufgaben - sehr unerwünscht.
Außerdem zeigen sie bei größeren Leitungsentfernungen und / oder
schlechter Signal–Qualität am Trigger–Eingang eine gewisse
„Nervösität”.
Im Schaltplan dieses Abschnitts wird gezeigt, wie der Eingang an Pin 2
beschaltet wird. Durch die Kombination
der zwei 100 k–Widerstände mit dem
100 nF–Kondensator werden Störungen auf der
Eingangsleitung einigermaßen wirksam vermieden. Außerdem wird dadurch die Schaltung erst für
einen neuen Impuls empfänglich, wenn der Eingang zwischenzeitlich wieder offen war.
Durch den Ladezustand des 100 nF–Kondensators an
Pin 6 und den 10 k–Widerstand
zwischen Pin 7 und Pin 6 wird der
Startzyklus bei Anlegen der Versorgungsspannung Uv wirksam unterdrückt -
der Kondensator muss sich erst aufladen, bevor die Schaltung „empfänglich” wird.
Achtung: Nach einer Unterbrechung der Versorgungsspannung muss sich
der Kondensator erst entladen, damit der nächste Startzyklus wieder unterdrückt wird.
Daher ist es in solchen Fällen immer eine gute Idee, eine Weile zu warten, bis
die Spannung wieder angelegt wird.
Bei diesem Monoflop können Sie mit einem Potentiometer an Stelle von
R1 die Impulsdauer in sehr weiten Bereichen einstellen, bei 100 k
und 47 µF zum Beispiel zwischen etwa
0,005 und 50 Sekunden.
Es gibt Situationen, bei denen es erwünscht ist, dass ein Monoflop
keinesfalls abfällt, solange ein Signal am Steuereingang anliegt. Bei den oben vorgestellten
Typen ist das jedoch der Fall. Auch wenn Sie den Eingangstaster gedrückt halten, wird
der Zyklus ablaufen. Die Situation kann zum Beispiel eintreten, wenn Sie möchten,
dass eine Schaltung mindestens noch t Sekunden
nach dem Abfallen eines Signals weiterläuft.
Der Schaltplan zeigt, wie diese Aufgabe gelöst wird. Der Witz ist die zusätzliche
Standard–Diode 1N4148, die Pin 6 und 7 des
NE555 gegen GND zieht, solange
der Taster gedrückt wird - aber eben auch, wenn er erneut gedrückt wird, während
ein Zyklus läuft. Das heißt: Solange innerhalb der Zykluszeit Impulse oder
Dauersignale eintreffen, bleibt der Ausgang des NE555 „high”,
und erst, wenn Impuls oder Signal abgelaufen sind, startet die letzte Zykluszeit.
So eine Schaltung könnte auch als Nachläufer oder Ausschalt– Verzögerung
bezeichnet werden (Beispiel: Der Ventilator auf der Toilette bleibt noch fünf Minuten an, nachdem das Licht ausgeschaltet
wurde).
Bei manchen Sicherungs– und Automatisierungsaufgaben ist es oft nötig oder erwünscht,
dass bestimmte Schritte in einer geordneten Reihenfolge nacheinander ablaufen. Das
oben vorgestellte Monoflop ist für diese Zwecke sehr gut geeignet.
Um so ein Monoflop zu triggern, also zu starten, wird nämlich
eine negative Flanke benötigt. Diese Flanke kann von Ausgang eines anderen
Monoflops bereit gestellt werden. Solange dieses läuft,
ist sein Ausgang positiv. Fällt dieser ab, entsteht die gewünschte Flanke, und
damit kann ein weiteres Monoflop gestartet werden.
Auf dem Bild dieses Abschnitts ist, arg gedrängt, die Verbindung der einzelnen Monoflops
zu sehen. Alle „normalen” Kondensatoren haben einen Wert von 100 nF.
Ein negativer Impuls am Steuereingang T startet das erste
Monoflop. Wenn es ausläuft, wird das zweite gestartet,
und so weiter. Wenn Sie möchten, dass das letzte Monoflop das erste
neu startet, müssen Sie nur die beiden Punkte A miteinander verbinden.
Die Schaltung wäre dann zum Beispiel geeignet, um eine typische Lichtreklame zu gestalten,
bei der einzelne Flächen nacheinander aufleuchten.
In der hier gezeigten Form ist sie auch sinnvoll, um mehrere Weichen nacheinander in eine definierte
Lage zu bringen, ohne dass alle Antriebe gleichzeitig schalten. Eine weitere typische Anwendung
wären eine mit einer definierten Impulsdauer kombinierte Einschaltverzögerung, (dann mit einem
NE556), obwohl sich diese Aufgabe auch gut einem
CMOS–IC des Typs 4538
(doppeltes, retriggerbares und zurücksetzbares Monoflop) erledigen lässt.