Im Bereich elektronischer Schaltungen für die Modellbahn dürften der Zeitschaltkreis
NE555 und sein Zwillings–Pendant NE556 die wichtigsten
IC sein (Abkürzung für englisch „Integrated Circuit”,
integrierter Schaltkreis).
Beide kommen in verschiedenen Bauformen und mit unterschiedlichen Bezeichnungen auf den Markt
(jedoch immer mit der „555”
beziehungsweise „556” im Namen).
Der 556 besteht aus zwei 555,
jedoch mit gemeinsamen Masse– und Versorgungseingängen, also 14 statt 16 Anschlüssen.
Wegen seiner großen Bedeutung soll hier gesondert auf den NE555 eingegangen
werden, der mit wenigen zusätzlichen Bauteilen zum Beispiel als astabiler Multivibrator
(Taktgeber), Zeitschalter (Monoflop, Ein– oder Ausschaltverzögerung),
Schmitt–Trigger (Schalter) oder bistabile Kippstufe
(Flipflop, Speicherschaltung) verwendet werden kann.
Der NE555 ist so billig, dass es sich lohnt, ihn wo immer möglich einzusetzen.
Er hat aber einen Nachteil, der hier nicht verschwiegen werden soll: Seine Umgebungs–Temperatur
darf eigentlich nicht unter 0° C fallen. Beim Einsatz
draußen bei der Gartenbahn sollte er bei Kälte ein warmes Plätzchen bekommen.
Abschnitte dieser Seite:
Im Bild ist das Blockschaltbild der integrierten Schaltung zu sehen. Funktionelle Gruppen
sind wiederum als Block gezeichnet. In Wirklichkeit enthält der kleine „Käfer”
23 Transistoren, 15 Widerstände und 2 Dioden.
Zunächst muss erklärt werden, was ein Flipflop
ist (eine bistabile Kippstufe). Wird an Eingang A im Bild links eine
logische 1 gelegt, wird Ausgang Q positiv (logische 1),
wenn er nicht schon vorher war. Wird an Eingang B ein Impuls gegeben, kippt die
Schaltung um. Q wird logisch 0. Der jeweils letzte Zustand
bleibt erhalten, die Schaltung ist also bistabil. Es gibt verschiedene
Flipflop–Arten, so auch welche, die einen invertierenden Ausgang Q'
haben, und solche, bei denen Impulse auf nur einem Eingang den jeweils anderen Zustand
herbei führen. Später werden noch Doppel–Flipflops mit
zwei Eingängen und drei Zuständen vorgestellt.
Ein Flipflop ist das Herzstück des NE555.
Außerdem enthält er zwei Komparatoren („Vergleicher”).
Diese können zwei Spannungen vergleichen. Sind beide Eingänge gleich, ist der Ausgang
positiv, ansonsten 0. Am Ausgang bringt ein Verstärker „OP” die
Flipflop–Signale auf ein verwertbares Niveau. Der NE555
darf am Ausgang maximal 150 mA liefern oder
aufnehmen, die Betriebsspannung sollte zwischen 5 und 15 V liegen.
Durch den Spannungsteiler oben wird die Versorgungsspannung (Uv) an
Pin 8 gedrittelt, an A liegen
2/3 der Versorgungsspannung (Uv). Dieser Punkt
ist mit dem ersten Eingang von Komparator 1 verbunden. B führt
1/3 Uv und ist mit dem ersten Eingang von
Komparator 2 verbunden.
Nach dem Einschalten von Uv ist die Schaltung im Ruhezustand, der Ausgang 3
führt GND (Masse, Anschluss 1). Der zweite
Eingang von Komparator 1 (Pin 6) ist ein Schwelleneingang
(Treshold), der von Komparator 2
(Pin 2) ein Auslöse–Eingang
(Trigger). Pin 7 ist der
Entlade–Anschluss (Discharge).
Bei der im Bild gezeigten Beschaltung mit einem Widerstand R und
einem Kondensator C wird der NE555 zu einem monostabilen
Multivibrator oder kurz Monoflop. Ein Monoflop
gibt einen Impuls von definierter Länge ab und ist während dieser Zeit nicht für
weitere Startimpulse empfänglich.
Der Schwelleneingang (Treshold) an Pin 6
und der Entlade–Eingang (Discharge) an Pin 7
sind nun an die Verbindung von R und C angeschlossen.
Der Entladungs–Ts 1 an Pin 7
ist im Ruhezustand leitend. Der Strom von Widerstand R wird also zur Masse hin
abgeführt. Der Kondensator C kann sich nicht aufladen,
Pin 7 führt GND
(vgl. hierzu Bild oben).
Wird nun an den Starteingang (Trigger) an Pin 2
kurz ein negativer Impuls angelegt, schaltet Komparator 2 um, da sein anderer Eingang ja
1/3 Uv führt. Dies löst ein Umschalten des
Flipflop am Ausgang von Komparator 2 aus.
Dadurch wird der Ausgang (out) an Pin 3
positiv. Der Kondensator C kann sich aufladen, weil
Transistor 1 sperrt (der ja in Ruhelage leitend war, eigentlich
müsste an seiner Stelle ein Inverter eingezeichnet sein).
Sobald Kondensator C sich auf 1/3
Uv aufgeladen hat, wird über den Schwelleneingang an Pin 6
(Treshold) und Komparator 1 das Flipflop
in den Ruhezustand zurück versetzt. Der Ausgang an Pin 3 wird wieder 0,
der Kondensator entlädt sich über Transistor 1, der Ursprungszustand ist wieder her gestellt.
Die Zeit, während der der Ausgang hoch ist, kann mit der Formel
t = 1,1 × R (Ω)
× C (pF) berechnet werden. Wenn Sie für
C µF (mikroFarad) einsetzen, müssen Sie das Ergebnis noch durch 1.000.000 teilen.
Bei 33 kΩ
und 47 µF zum Beispiel
beträgt die Zyklusdauer 1,55 s.
Der bisher noch nicht angesprochene Rücksetz–Eingang an Pin 4
(Reset) sorgt bei einem negativen Impuls dafür, dass ein
laufender Zyklus sofort unterbrochen wird und die Schaltung in Ruhelage zurück
kehrt. Wird er nicht hierfür benutzt, sollte er grundsätzlich mit Uv verbunden werden.
Es ist eine sehr praktische Eigenschaft des NE555, dass sein Ausgang an
Pin 3 entweder GND
oder Uv führt. Dadurch können
nämlich beide Zustände genutzt werden.
Die erste Abbildung dieses Abschnitts zeigt, wie - bei Nutzung eines positiven Ausgangs - ein
NPN–Transistor zum Schalten größerer Lasten an den NE555
angeschlossen werden kann. Für die später besprochenen Aufgaben ist es sehr praktisch,
dass der NE555 sowohl gegen GND
„getriggert” wird als damit auch ein Signal gegen
GND bereit stellt.
Im zweiten Bild sind Beispiele für die Nutzung beider Ausgangs–Zustände zu sehen. Bei
12 Volt Uv und
„normalen” Leuchtdioden sollte der Vorwiderstand 680 bis
820 Ω haben.
Bei 1 kΩ
wird eine LED immer noch hell genug leuchten.
Wie oben schon erwähnt, besteht der NE556 aus zwei NE555 mit
gemeinsamen Masse– und Versorgungsspannungs–Eingängen. Dadurch ergibt sich zwangsläufig
eine andere Belegung der Anschlüsse (englisch „pinout”).
Diese stellt sich in der Praxis jedoch als wohl durchdacht heraus, wie sich noch zeigen wird.
Im zweiten Bild dieses Abschnitts wird gezeigt, wie die Pins nun liegen.
Dabei bezeichnet A die Anschlüsse des einen und B die des anderen
NE555, die jeweils auf der einen beziehungsweise anderen Seite angeordnet sind.
NE556 werden ebenfalls häufig benötigt, so zum Beispiel bei
Impulsbreiten–Modulationen
(englisch
PWM),
zum Aufbau von Flipflops mit drei Ein– und zwei Ausgängen
(unter anderem zum Betrieb von Duo LED), oder einfach, um dort,
wo sowieso mehr als ein NE555 gebraucht würde, Platz zu sparen.
Bedenken Sie bei der Entwicklung von Vorlagen für
gedruckte Schaltungen,
dass die Anschlüsse dann wie gleich abgebildet gespiegelt werden müssen.