Ihr Modell ist nun lackiert - egal, ob es sich dabei um einen
LKW oder Modellbahn–Wagen handelt.
Jetzt soll noch eine passende Beschriftung aufgebracht werden.
Wenn es sich um ein individuelles Einzelstück handelt, ist das unter Umständen
gar keine so leichte Aufgabe. Eine passende Beschriftung gibt es nicht zu kaufen -
also muss diese selbst angefertigt werden.
Hinweise zur Herstellung metallischer Lokomotiv–Schilder finden Sie auf der Seite zum Thema
Ätzen.
Auf dieser Seite werden Techniken und Tricks zur Anfertigung und Benutzung von Beschriftungen
mit Hilfe von Abziehbildern, Abreibe–Buchstaben, dem Drucker oder Pinsel beschrieben.
Abschnitte dieser Seite:
Je nachdem, was für eine Beschriftung nachgebildet werden soll, kommen verschiedene Verfahren
für deren Anfertigung in Frage.
Das bekannteste dürfte wohl die Abziehbild–Technik sein. Sofern Sie nicht
einen Komplett–Bausatz erworben haben, können Sie sich Abziehbilder entweder selbst mit
einem Tintenstrahl–Drucker herstellen oder drucken lassen. Letzteres ist teurer, bietet aber mehr
Möglichkeiten.
Für große Modelle kommen auch Ab– oder Anreibeschriften in Frage.
Sofern Sie nichts passendes finden, können auch diese im Auftrag angefertigt werden.
Schilder, die auch im Original erhaben sind (also von der Trägeroberfläche abgesetzt),
können auch mit Farbdruckern selbst hergestellt werden - und das mit recht
akzeptablen Ergebnissen. Beispiele: Emaille–Schilder, Autokennzeichen oder
die Reichsbahn–Embleme an Reisezugwagen.
Wirklich großflächige Beschriftungen können auch direkt oder mit Schablonen aufgespritzt oder mit dem
Pinsel aufgetragen werden. Das gilt vor allem für Werbe–Aufschriften, beispielsweise den
„Seefische”– Schriftzug an
Kühlwagen. Dafür ist auch das Siebdruck–Verfahren geeignet. Es wird hier nicht näher besprochen,
da es aufwendig ist und viel Erfahrung braucht.
Hier folgen einige Hinweise zu den anderen Techniken.
Den meisten Komplett–Bausätzen liegen Abziehbilder zur Beschriftung bei. Diese werden
industriell gefertigt. Das funktioniert so. Auf ein Papier wird zunächst
eine wasserlösliche, transparente Schicht eines Trägermaterials aufgedruckt, und zwar
meist mit Umrissen, die kaum größer sind als die der Beschriftung. Dieser Folie wird
mit den eigentlichen „Bildern” bedruckt.
Vor der Verwendung werden die benötigten Bereiche in groben Umrissen mit der Schere
ausgeschnitten und etwa 20 bis 30 Sekunden in lauwarmem Wasser aufgeweicht. Danach löst
sich das Trägermaterial und kann nun an den Anbringungsort geschoben werden - daher auch
der Name „Schiebebild”.
Dazu zwei Tipps. Setzen Sie dem Wasser einige Tropfen Spülmittel
zu - das entspannt die Oberfläche, das Wasser dringt besser in die Kapillaren, das
Abziehbild wird besser anliegen. Und benutzen Sie immer einen Weichmacher, beispielsweise
Z252 von
Gaßner.
Bei in Kleinstserien (eventuell in Ihrem Auftrag) gedruckten Abziehbildern wird öfter ein
durchgehender Trägerfilm bedruckt. Das geschieht meist im Siebdruck–Verfahren oder im
Sublimationsdruck. Die benötigten Teile müssen dann genauer zurecht geschnitten werden.
„Decals” nach eigenen Vorlagen können Sie sich beispielsweise
günstig von
Andreas Nothaft
anfertigen lassen. Bitten Sie ihn um ein Angebot!
Je dünner die transparente Trägerschicht ist, desto weniger werden später die
Ränder der aufgetragenen Beschriftung auffallen.
Im Handel gibt es auch Abziehbild–Material, das selbst mit
Tintenstrahl– Druckern bedruckt werden
kann. Da normale Farbdrucker keine weiße Farbe drucken können, gibt es die paarweise
angebotenen Folien nicht nur transparent, sondern auch weiß. Conrad bietet diese
Folien derzeit nicht mehr an, sondern nur noch eine Sorte für Farblaserdrucker.
Mit Abziehbildern beschriftete Modelle sollten grundsätzlich mit einer dünnen Schicht
Klarlack geschützt werden. Das erhöht nicht nur die Griff– und Kratzfestigkeit. Der
unterschiedliche Glanz der Modellfarbe und des Abziehbilds wird dadurch angeglichen,
die Kanten der Abziehbilder wirken weniger stark.
Abreibe– beziehungsweise Anreibeschriften werden spiegelverkehrt
auf ein transparentes Trägermaterial aufgebracht, von dem sie sich unter Druck lösen.
Die andere Seite der Zeichen oder Symbole ist mit einer Haftschicht versehen. Das Verfahren
hat den großen Vorteil, dass die Zeichen nur sehr dünn sind und damit weniger auffallen
als Abziehbilder. Außerdem können leicht individuelle Schriftzüge zusammen gesetzt
werden. Das geht bei Abziehbildern zwar auch, ist aber sehr mühsam.
Mit der größeren Verbreitung von Computern und leistungsfähigen Druckern haben
Abreibeschriften, die es beispielsweise von
Letraset®,
Mecanorma® oder Edding®
gibt oder gab, deutlich an Bedeutung verloren. Dementsprechend ist die Auswahl in den
Zeichen–Fachgeschäften - wenn überhaupt - nur noch sehr klein. Viele
Geschäfte haben jedoch noch die Kataloge lieferbarer Schriften, Symbole und Farben.
Achtung: Abreibeschriften altern, vor allem bei unsachgemäßer
Lagerung, und werden irgendwann unbrauchbar.
Es gibt auch die Möglichkeit, sich Abreibeschriften nach eigenen Vorlagen drucken
zu lassen, was bei sorgfältiger Erstellung der Vorlage ideale Ergebnisse bringt.
Ein Anbieter ist beispielweise Klaus Rein von
www.color-transfer-service.de.
Ein Nutzen von 24 × 30 cm kostet netto rund 60,- €.
Hinweise zur Erstellung von Vorlage und Film finden sich weiter unten.
Die Abreibetechnik eignet sich durchaus auch für kleinere Modelle - voraus gesetzt, es
gibt die benötigten Anschriften schon am Stück gesetzt. Bei größeren Maßstäben können
die Anschriften durchaus auch aus einzelnen Zeichen zusammen gesetzt werden. Das erfordert
jedoch einige Übung.
Es ist nicht ganz einfach, Schriftzüge zentriert zu setzen. Dazu ein Tipp.
Drucken Sie mit Hilfe des Computers eine 1:1–Vorlage in
der selben Schriftart und –größe. Dieses Muster können Sie dann (ausgeschnitten) mit etwas
Klebefilm direkt oberhalb der zu beschriftenden Stelle anbringen und sich daran orientieren.
Wo das nicht geht, sollten Sie die Laufweite der gesamten Zeile ermitteln und dann stets mit
den mittleren Zeichen beginnen. Dann arbeiten Sie sich zu den Seiten hin vor.
Das zweite Problem besteht darin, die Zeichen exakt im richtigen Abstand und auf einer
geraden Grundlinie genau senkrecht aufzubringen. Prüfen Sie jedes aufgebrachte Zeichen,
bevor Sie es endgültig anreiben. Schlecht aufgebrachte Zeichen lassen sich mit etwas
glattem Klebefilm oder dem Dreikantschaber vorsichtig entfernen.
Wenn der Untergrund durch die Trägerfolie nicht gut zu erkennen ist, hilft auch hier ein ober–
oder unterhalb aufgeklebtes Stück hellen beziehungsweise dunklen Papiers als Orientierung
für die Grundlinie.
Die dritte Schwierigkeit entsteht, wenn die Beschriftung in Ecken und Winkeln
aufgebracht werden soll. Da hilft es, das Trägermaterial direkt neben dem Zeichen
mit der Schere so auf zu schneiden, dass das Symbol eben an die richtige Stelle
gehalten werden kann. Das wird - besonders bei sehr kleinen Stellen - oft mit
einer Pinzette geschehen müssen.
Die Technik, Beschriftungen auf Papier zu drucken, bietet sich vor allem für Schilder an,
die auch im Original erhaben waren (Beispiel: Emaille–Schilder,
KFZ–Kennzeichen, Zuglaufschilder).
Einige Versuche werden schnell zu guten Ergebnissen führen. Experimentieren Sie mit
verschiedenen Papiersorten und Auflösungen. Wir haben gute Erfahrungen mit
Epson–Glossy-Papier (hochglänzend) und Tetenal Spectra
Jet Duo–Print gemacht (das sich auch beidseitig bedrucken
lässt).
Nun ist bedrucktes Papier weder Witterungs– noch Griff–fest. Daher gilt auch hier,
dass ein schützender Überzug mit Klarlack nötig ist. Wenn Sie die Farbe mit dem
Pinsel zügig oder mit beim Sprühen in dünnen Schichten auftragen, besteht keinerlei
Gefahr, dass die Tinte des Druckers verläuft.
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wahrscheinlich glücklicher (oder auch weniger glücklicher) Besitzer eines PC.
Der ist das richtige Werkzeug, um mit etwas Fleiß geeignete Vorlagen für alle
hier beschriebenen Methoden anzufertigen.
Dazu gehört aber einiges Know–how.
Das Wichtigste ist die Auflösung Ihrer Vorlagen. Diese sollten - je nach verwendetem
Drucker oder gewünschtem Film - mindestens
600 dpi (Punkte je Zoll) haben.
Das gilt umso mehr, je kleiner die anzufertigenden Beschriftungen werden.
Ob Sie Rastergrafiken („setze einen Punkt in Farbe a an Position x, y”) oder
Vektor–Formate („ziehe eine Linie in Farbe a und Stärke b von Position x1, y1 nach
Position x2, y2”) bevorzugen, spielt keine Rolle.
Wichtig ist, dass Sie nur schwarz und weiß verwenden, und vor allem, dass die Vorlage eine
hinreichend große Auflösung hat. Für jede zu druckende Farbe benötigen Sie
eine eigene Vorlage. Damit die Filme für die verschiedenen Farben exakt über einander
liegen, müssen diese an den äußeren Ecken sogenannte „Passerkreuze”
haben.
Hier ein Beispiel für die Größen–Berechnung bei Rastergrafiken. Sie möchten einen Film
von 24 × 30 cm belichten lassen und benötigen
dafür eine Vorlage. Wie groß muss diese sein, wenn Sie 600 dpi haben soll?
24 cm ÷
2,54 cm (das entspricht einem Zoll)
= 9,449. 9,449 × 600 =
5.669 Bildpunkte (Pixel). 30 ÷
2,54 = 11,8 × 600 =
7.086 Punkte.
Für eine Linie von 1 mm werden 23,6 Punkte
benötigt. Die gibt es natürlich nicht, runden Sie lieber auf als ab. Ihre Linien
sollten bei Abreibeschriften 1:1 nicht dünner als
0,2 mm sein. Die kleinsten Buchstaben sollten mindestens
2 mm Höhe haben. Industriell gefertigte Abreibeschriften
lassen sich auch noch mit etwa 1,5 mm Höhe fertigen.
Die Anfertigung von Strichfilmen - früher nahezu überall zu haben - wird derzeit kaum noch
angeboten. Strich– beziehungsweise Orthofilme haben nur tiefschwarze oder völlig transparente Flächen.
Ätztechnik Herbert Caspers
bietet die Ausbelichtung solcher Filme von gängigen Datenformaten an. Bitte sprechen Sie sich
deswegen mit Thomas Engel ab. In dem Solinger Betrieb können auch Reproaufnahmen von Papiervorlagen
erstellt werden. Die Anschrift finden Sie bei den Adressen.
Das Standard–Format für solche Filme ist DIN A4 (297 × 210 mm).
Überlegen Sie vorher, wie Sie die verfügbare Fläche möglichst sinnvoll nutzen können.