Die
Rhätische Bahn®
(RhB) hat auf Schmalspur– und andere Eisenbahn–Freunde schon
immer eine besondere Faszination ausgeübt. In der Tat bietet die bedeutendste meterspurige
Linie der Schweiz nicht nur den Atem beraubende Panoramen, eine interessante Geschichte und einen
vielfältigen Fahrzeugpark, sondern auch aktuelle live–Erlebnisse
der besonderen Art.
Insofern verwundert es wenig, dass
Brawa
2005 dem überraschten Fachpublikum der Internationalen Spielwarenmesse in
Nürnberg als Erstlings–Werke in Nenngröße
IIm Modelle nach Vorbildern der
RhB vorstellte. 2009 zog sich Brawa leider aus diesem Segment zurück.
Als Ergänzung zu unserer damaligen Neuheiten–Seite
im Modellbahn– Bereich
werden hier einige (unvollständige) Vorbild–Informationen angeboten. Als Fachleute für
RhB–Fragen dürfen wir uns nämlich sicher nicht bezeichnen
.
Die
RhB
war so freundlich, uns hier die Wiedergabe einiger Vorbildaufnahmen aus dem eigenen Archiv zu
gestatten. Herzlichen Dank, merci beaucoup und mille grazie dafür!
Abschnitte dieser Seite:
Glücklicher Weise sind zwei Maschinen der Bauart G 4/5 Betriebs–fähig
erhalten geblieben (Nummern 107 und 108). Ein ebenso glücklicher Zufall führte
überhaupt erst zu der Beschaffung der Baureihe. Hier folgt zunächst die Vorgeschichte.
Am 9. Oktober 1889 wurde die Linie Landquart–Klosters eröffnet. Das war der offizielle
Beginn der Rhätischen Bahn. Fünf relativ kleine Dampflokomotiven des Typs G 3/4
genügten damals noch für die selbst in Modellbahnerkreisen gefürchteten Steigungen
von bis zu 45‰ (letztere zwischen Klosters und Davos).
Das sollte sich aber schon ein Jahr darauf als Fehleinschätzung erweisen, sodass
zunächst zwei und dann noch einmal zwei Lokomotiven entsprechend der Bauart von
Anatole Mallet angeschafft wurden (Achsfolge nach Schweizer Bezeichnung
G2/2 + 2/3, zweite Serie G2/3 + 2/2).
Auch diese
Boliden
der damaligen Jahre erwiesen sich bald als zu schwach, denn sie konnten die geforderten
70 t Zuglast nur mit
15 km/h die Rampen hinauf befördern.
Die SLM hatte
gerade zu jener Zeit für die Äthiopischen Staatsbahnen eine Erfolg versprechende
Schlepptender–Lokomotive mit vier gekuppelten und einer Vorlauf–Achse entwickelt. Diese
Meterspur–Maschinen wurden vor dem Export auf dem RhB–Netz getestet -
das war der Zufall. So wurden zunächst vier Maschinen des Typs G 4/5
in Auftrag gegeben (Nr. 101 - 104), die ihren Dienst
1904 antraten.
Diese auch aus heutiger Sicht respektablen Naßdampf-Maschinen im
Zweizylinder–Verbund–Verfahren
vermochten immerhin schon 90 t bei
18 km/h über 35 Promille–Steigungen
zu ziehen.
1906 folgten etliche weitere Lokomotiven dieser Bauart (bis zur Nummer 129) mit
vergrößertem Kessel und Tender sowie verstärktem Rahmen. Das Dienstgewicht
stieg damit auf 47,2 t. Bis auf die ersten
zwei Exemplare waren dies Heißdampf–Maschinen
mit einem Schmidt'schen Überhitzer.
Dadurch erhöhte sich die mögliche Höchstgeschwindigkeit unter gleichen Bedingungen
auf beachtliche 30 km/h, in der Ebene sogar auf
45 km/h. Mit
800 PS gehörten diese
1'D2hv–Maschinen zu den stärksten Schmalspur–Lokomotiven Europas.
Anmerkungen
Quellen u.A.: „Sternstunden der Dampflok” von Karl Grieder,
Orell Füssli Verlag,
Zürich, 1975, ISBN
3 280 00811 5. Das Buch ist nicht mehr erhältlich.
In manchen Texten wird als Ziel der ersten G 4/5 Abessinien genannt. Das
ist der frühere Name Äthiopiens. Für diejenigen, die das Schweizer
Bezeichnungs–Schema nicht kennen: Das „G” steht nicht etwa
für Güterzug–, sondern für Schmalspur–Dampflokomotiven.
Die 1890 gegründete Landquart–Davos–Bahn (1895 in „Rhätische Bahn” umbenannt)
beschaffte eine große Anzahl von Personenwagen auf einheitlichen Untergestellen.
Der Radstand von 4300 mm ermöglichte eine gute
Kurvengängigkeit, eine Gesamtlänge von 9540 mm
erlaubte geräumige Aufbauten. So entstanden ab 1889 insgesamt 32 Personenwagen der
Typen AB, B und C, zu denen später noch Aussichtswagen, Gepäckwagen
und Güterwagen kamen.
Lieferant diese Wagen war die 1853 gegründete Schweizerische Industrie–Gesellschaft
(SIG) in Neuhausen. Das Werk profitierte vom Wasserfall in Schaffhausen
und dem Eisenwerk in Laufen. Heute stellt die SIG Getränkekartons her.
Das Vorbild des Brawa–Wagens 1. und
2. Klasse (AB) wurde als Nummer 1 mit einem
Zwilling (Nr. 2) 1888 geliefert (andere Quellen sprechen von 1889).
Die Wagen wurden schon bald in 21 / 22 umnummeriert.
Der wesentliche Unterschied zu den Wagen 3. Klasse (C) der
Bauserie bestand in geräumigeren Abteilen, von denen nur
vier statt fünf im Wagenkasten untergebracht wurden. Rechts und links des
Mittelgangs wurde 24 Reisegästen ein komfortabler Platz geboten.
Der damaligen Zeit entsprechend gab es einen größeren Bedarf an Wagen
3. Klasse.
1889 entstanden als Baureihe B² der C 31 bis 40 und 1890 der C 41 bis 44. Diese wurden
1895 in C 41 bis 54 umnummeriert. Ab 1899 bildeten die Waggons mit den vormaligen C 55 bis 61 die
neue Gruppe C 201 bis 221. Das änderte sich 1911 noch einmal, ab da lauteten die
Betriebsnummern C 2001 bis C 2021. Die Abbildung zeigt eine Typenskizze der RhB vom
1. Dezember 1894. Es standen Sitzplätze für 40 Passagiere zur Verfügung.
Eine Toilette gab es nicht. Im Inneren der Wagen stand ein Hinweis angeschrieben:
„Abort im Zuge, man wende sich an den Kondukteur
” -
der musste die Bedürftigen zum nächsten „stillen Örtchen” begleiten.
Mit Aufkommen der vierachsigen Reisezugwagen verloren diese
Oldtimer
schnell an Bedeutung. Etliche wurden zu Bahndienstwagen umgebaut, so zum Beispiel
der C 2016, der 1971 als X 9016 in der Werkstätte Landquart sein Gnadenbrot verdiente.
1928 genügten viele alte AB-Wagen den Ansprüchen der Reisenden in der
1. und 2. Klasse
nicht mehr. So wurden auf vier ihrer Fahrgestelle Gepäckwagen aufgebaut. Der Packwagen der Serie
D² mit der Nummer 4051, Vorbild des Brawa–Modells, entstand auf Basis des früheren
AB 108 (Baujahr 1898). In der Literatur findet sich ein Hinweis auf eine nochmalige
Modernisierung des Wagens. Ob er die Fenster mit abgerundeten Ecken ohne Holzrahmen erst
dabei erhielt, ist zumindest dem Verfasser nicht bekannt.
Quellen u.A.:
Die elektrischen und Diesel–Triebfahrzeuge schweizerischer Eisenbahnen - Dritter Teil:
Die Rhätische Bahn (Stammnetz), Claude Jeanmaire, Darstellung des
Rollmaterials, Verlag Eisenbahn Gut Vorhard, Villingen 1973.
Nur zu selten bietet sich dem Eisenbahnfreund die Möglichkeit, die gleichen Fahrzeuge
aus dem Dampflok–Zeitalter in Vorbild und Modell zu genießen.
Den Traditions–reichen Unternehmen
Rhätische Bahn®
und
Brawa
ist oder leider war ein solches kombiniertes Erlebnis zu verdanken.
Nähere Informationen Sonderfahrten der RhB finden Sie auf deren Seite zu
Dampfzügen.
Für nicht–Schweizer: „Halbtax” ist nicht etwa eine
eidgenössische Schreibweise für halbe Tage, sondern der Ausdruck für ermässigte Preise.
Als Beispiel stellen wir die Fahrtrouten des Jahres 2005 vor.
Sie sind auf der Streckenkarte eingezeichnet und nummeriert.
Und noch ein Tipp: der
Verein Dampffreunde der Rhätischen Bahn
bietet auf seiner Website zahlreiche Fotos vergangener Veranstaltungen.